Inhalt des Artikels:
- Spritpreise ziehen kräftig an
- Gas so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr
- Bundeswirtschaftsministerium erwartet keine Lieferengpässe
- CDU in Sachsen-Anhalt fordert Aktivierung von Notfallplänen
- Aktienkurse geben am Dienstag kräftig nach
Seit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran sind die Weltmarktpreise für Öl und Gas in die Höhe geschossen. In Deutschland spürt man das bislang vor allem bei den Heizöl- und Spritpreisen. Die Seite "Heizoel24" gab den Preis für 100 Liter Heizöl am Dienstagvormittag zeitweilig mit mehr als 128 Euro an – ein Preissprung um gut 25 Prozent seit Freitag.
Spritpreise ziehen kräftig an
Auch die Spritpreise zogen seit Wochenbeginn deutlich an. Am Dienstagnachmittag kostete Dieselkraftstoff im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,92 Euro pro Liter, wie der Verkehrsclub ADCA mitteilt. Das waren knapp 10 Cent mehr als Vortag und 18 Cent mehr als am Freitag, vor der Eskalation im Nahen Osten. Superbenzin der Sorte E10 kostete am Dienstag etwa 1,89 Euro pro Liter. Das waren 4,6 Cent mehr als am Montag und etwa 12 Cent mehr als am Freitag.
Diesel sei preissensibler als Benzin, erklärt der Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC, Christian Laberer. Der aktuelle Anstieg der Spritpreise sei zwar deutlich, aber nicht beispiellos. Zu Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren habe sich Diesel binnen gut zwei Wochen um mehr als 60 Cent pro Liter verteuert.
Gas so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr
Auch der Gaspreis steigt: An der Börse in Amsterdam lag er am Dienstagmorgen zeitweise um 30 Prozent über dem Vortag, nachdem er zum Wochenauftakt bereits kräftig gestiegen war. Er erreichte damit den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren.
Mit steigenden Öl- und Gaspreisen wächst die Inflationsgefahr. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet bei längerer Schließung der Straße von Hormus weiter steigende Preise. Da das auch andere Energiepreise und den Transport von Rohstoffen und anderer Produkte verteuere, drohe dann in Deutschland eine Inflationsrate von über drei Prozent.
Nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank drückt ein Ölpreisanstieg um zehn Prozent mittelfristig das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozent. Bei einem erwartetem Plus für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr von 1,0 Prozent wäre das für die deutsche Wirtschaft ein erhebliches Minus.
Bundeswirtschaftsministerium erwartet keine Lieferengpässe
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche warnte bei der regionalpolitischen Jahrestagung in Halle zwar vor neuen Unsicherheiten für die Konjunktur durch gestörte Öl- und Gaslieferungen. Doch die CDU-Politikerin erwartet keine "schweren Konsequenzen".
Für Deutschland sieht Reiche wegen der diversifizierten Lieferketten zwar keine Engpässe, steigende Preise könnten den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung aber dämpfen. Die Bundesregierung habe eine Krisen-Taskforce eingesetzt, die die Lage auf den Energiemärkten fortlaufend beobachte.
CDU in Sachsen-Anhalt fordert Aktivierung von Notfallplänen
Mehr Sorgen macht sich etwa die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Deren wirtschaftspolitischer Ulrich Thomas forderte im MDR angesichts eines absehbar bevorstehenden Energiemangels eine rasche Aktivierung von nationalen und europäischen Notfallplänen.
Thomas sieht insbesondere die deutsche Chemieindustrie gefährdet: "Mit Blick auf den Iran-Konflikt muss schon kurzfristig mit einem weltweiten Ausfall von 20 Prozent der Öl- und Gaslieferungen gerechnet werden. Dies wird negative Konsequenzen für den Chemiestandort Sachsen-Anhalt und die gesamte Wirtschaft des Landes haben."
Aktienkurse geben am Dienstag kräftig nach
Der Deutsche Aktienmarkt setzt indes seine Talfahrt fort. Der Dax sackte bis zum Mittag fast vier Prozent ab und fiel unter die 24.000er-Marke. Gestern hatte der Aktienindex bereits 2,4 Prozent eingebüßt. Analysten nennen als Grund Unsicherheiten für die Weltwirtschaft angesichts der Eskalation in Nahost sowie die stark steigenden Benzin- und Gaspreise.
Iran schränkt Verkehr durch Straße von Hormus ein
Hintergrund für den steigenden Ölpreis ist die Furcht vor einer Erdölknappheit infolge des Krieges im Nahen Osten. So hat der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt. Zahlreiche Reedereien stellten ihrerseits den Schiffsverkehr durch die nur 50 Kilometer breite Passage ein, darunter der dänische Reederei-Konzern Maersk und die deutsche Reederei Hapag-Lloyd.
Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf.
DPA, AFP, MDR (kos,ans)
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