Inhalt des Artikels:

  • 1. Geopolitik treibt Ölpreise
  • 2. Heizöl‑Effekt
  • 3. Importabhängigkeit bei Diesel
  • 4. CO2‑Bepreisung und THG‑Quote verkleinern den Preisabstand
  • Logistik und Tankstellennetz sorgen für regionale Unterschiede

Wer Diesel fährt, erwartet an der Zapfsäule einen günstigen Preis. Immerhin müssen für Diesel rund 20 Cent weniger Energiesteuern bezahlt werden als für Benzin. Entsprechend gibt es zwischen den Kraftstoffen normalerweise einen spürbaren Preisunterschied. Anders stellt sich die Lage im Moment dar. Diesel ist vergleichsweise teuer.

Die Differenz zwischen Diesel und Super E10 ist auf wenige Cent zusammengeschmolzen. So betrug der Preisunterschied nach Daten des ADAC im Januar im bundesweiten Durchschnitt lediglich 4,7 Cent. Anfang Februar lag die Differenz zeitweise im Schnitt sogar nur bei 2,7 Cent. Und auch diese Woche liegen die Preise recht nah beieinander. Nach Daten der Website Clever-Tanken.de betrug der Dieselpreis am Dienstagabend im bundesweiten Schnitt 1,705 Euro, E10 kostete 1,742 Euro – ein Unterschied von nur 3,7 Cent.

Für den geringen Preisunterschied zwischen Benzin und Diesel gibt es eine Reihe von Erklärungen.

1. Geopolitik treibt Ölpreise

Zu Jahresbeginn ist der Preis für Rohöl stark angestiegen. Der Preis für ein Barrel Öl stieg um zehn Dollar – rund 17 Prozent zu diesem Zeitpunkt. Als Grund dafür sehen Marktanalysten unter anderem die politische Weltlage, von den Entwicklungen im Nahen Osten bis zum US-Angriff auf Venezuela. Das beeinflusst die Preise aller Kraftstoffe an der Tankstelle. Beim Diesel wirkt es aber noch etwas stärker: "Diesel als Produkt ist einfach so ein bisschen preissensibler, was auch politische Spannungen angeht", erklärt die ADAC-Sprecherin Katharina Lucà.

2. Heizöl‑Effekt

Durch den kalten Winter in verschiedenen Regionen stieg die Nachfrage nach Heizöl. Heizöl und Diesel sind aber sehr ähnliche Produkte, die Preise hängen zusammen. Der Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (En2x), Alexander von Gersdorff, sagt: "Heizöl und Diesel sind Parallelprodukte an der Raffinerie – vergleichbar mit Apfelmus und Apfelsaft. Wenn mehr Heizöl nachgefragt wird, steht automatisch weniger Diesel zur Verfügung. Das macht Diesel knapper und teurer."

3. Importabhängigkeit bei Diesel

Beim Benzin ist Deutschland nach Angaben der Mineralölwirtschaft weitgehend Selbstversorger. Die Raffinerien decken die Nachfrage. Anders beim Diesel, hier muss ein knappes Drittel importiert werden. Daher hängen unsere Preise an den Zapfsäulen stärker von der globalen Nachfrage ab. ADAC-Sprecherin Lucà dazu: "Diesel wird weltweit groß nachgefragt, vor allem eben auch von Firmen, von großen Industrien, zum Beispiel aus China." Der Dieselpreis unterliege daher noch anderen Faktoren als der Benzinpreis.

4. CO2‑Bepreisung und THG‑Quote verkleinern den Preisabstand

Zum 1. Januar ist der CO2-Preis gestiegen. Bislang lag der Preis pro Tonne CO2 bei 55 Euro, in diesem Jahr kann er bis zu 65 Euro erreichen. Dieser Faktor wirkt auf den Preis von Diesel etwas stärker als auf den von Benzin. Nach Berechnungen des ADAC verteuert sich Diesel 2026 maximal um 3,2 Cent pro Liter, Benzin um 2,9 Cent pro Liter.

Diese Entwicklung gibt es schon länger. Seit seiner Einführung 2021 verringert der CO2-Preis den Preisabstand zwischen den Kraftstoffsorten nach und nach. Benzin ist durch den CO2-Preis heute ungefähr 17 Cent teurer, Diesel 19 Cent.

Einen ähnlichen Effekt gibt es auch bei der sogenannten Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote). Diese Quote verpflichtet die Mineralölkonzerne dazu, die Treibhausgasemissionen ihrer in Verkehr gebrachten Kraftstoffe jährlich um einen vorgegebenen Prozentsatz zu senken. Das können sie etwa durch Beimischung nachhaltiger Biokraftstoffe erreichen. Das sorgt in diesem Jahr nach Schätzungen für eine Preissteigerung von rund sieben Cent je Liter Kraftstoff. Auch hier ist die Steigerung nach Angaben der Branche beim Diesel geringfügig höher als beim Benzin.

Logistik und Tankstellennetz sorgen für regionale Unterschiede

Wie groß der Preisabstand zwischen Benzin und Diesel an der einzelnen Zapfsäule tatsächlich ist, hängt übrigens auch davon ab, wo die Tankstelle steht. Die Spritpreise unterscheiden sich regional erheblich. In Vergleichen wird etwa immer wieder festgestellt, dass Diesel oder Benzin in Ostdeutschland teurer sind als in Westdeutschland. Das ist auch aktuell der Fall. Im Februar war E10 in Sachsen-Anhalt am teuersten im bundesweiten Vergleich, der Dieselpreis war in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten.

Branchen-Experte Gersdorff erklärt das mit strukturellen Unterschieden: "Trotz der Nähe zur Raffinerie Leuna ist die Dieselproduktion im Osten geringer als im Westen, wo es mehr Raffinerien gibt. Das Tankstellennetz ist zudem dünner, die Wege länger – Logistik kann den Preis heben."

Wann sinkt der Dieselpreis?

Prognosen für die Preise an der Tankstelle sind nach Einschätzung von ADAC-Sprecherin Lucà schwer abzugeben. Dafür ist die Weltlage zu unsicher: "Das Thema Iran, die Straße von Hormus, das führt ja natürlich auch dazu, dass die Preise eben im Moment auf dem hohen Niveau sind", erklärt sie. Dennoch macht Lucà Dieselfahrerinnen und Dieselfahrern Hoffnung: "Wir sehen schon, wenn im Sommer die Heizölnachfrage wieder etwas nachlässt, dann müsste man das auch beim Diesel spüren. Das heißt, der Abstand zwischen Benzin und Diesel müsste in den Sommermonaten wieder größer werden."

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