Die Filmfirma Paramount zieht im Bieterkrimi um das Traditionsstudio Warner Bros. zunehmend die Aktionäre auf ihre Seite. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Für den Streaminganbieter Netflix schwinden die Aussichten, noch wie geplant das Traditions-Filmstudio Warner Bros. übernehmen zu können. Gleichzeitig gewinnt in dem Bieterkrimi der Rivale Paramount die Oberhand. Dieser Rivale wird maßgeblich von David Ellison geführt, Sohn des Multimilliardärs Larry Ellison, der dort auch zu den Hauptinvestoren gehört und gleichzeitig einer der wichtigsten Verbündeten von US-Präsident Donald Trump in der Tech- und Wirtschaftswelt ist. 

Nachdem Paramount zuletzt sein Angebot abermals nachgebessert hat, erklärte der Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery, die neue Offerte könne zu einem Deal führen, der dem Gegenangebot überlegen sei. Rivale Netflix hingegen ließ anders als Paramount eine Frist verstreichen, sein Angebot nachzubessern. Zuletzt haben sich bereits einzelne Großaktionäre von Warner Bros. Discovery auf die Seite von Paramount gestellt.

Warner Bros. zählt mit Filmserien wie „Harry Potter“,  „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ sowie Klassikern wie „Der Exorzist“ und „Casablanca“ zu den traditionsreichsten und erfolgreichsten Hollywood-Produzenten und ist mit HBO Max auch im Streaminggeschäft vertreten. Der Bieterkampf um das Studio begann bereits Anfang Dezember vergangenen Jahres. Damals veröffentlichte Netflix seine Offerte für Warner Bros., der Streaminganbieter wollte insgesamt 83 Mrd. Dollar für das Studio zahlen. Zwar hatte sich Paramount in dem Bieterverfahren auch interessiert gezeigt, aber die Warner-Führung entschied sich schließlich für Netflix, was bei einigen Film- und Medienexperten durchaus für Überraschung sorgte.

Paramount hat im Kampf um Warner Trump auf seiner Seite 

Die Beteiligten hatten die Übernahme schon fast abgehakt. So sicher war sich Netflix seiner Sache, dass der Streaminganbieter bereits in einer Mail an seine Kunden in Aussicht stellte, dass Warner bald zum Unternehmen gehören werde – ein extrem ungewöhnlicher Schritt im Frühstadium einer angepeilten Übernahme. Die Sicherheit schien umso ungewöhnlicher, als die US-Regierung von Donald Trump signalisierte, den geplanten Netflix-Deal von der Kommunikationsaufsicht FCC, die der Regierung untersteht, sehr genau prüfen zu lassen. Trump und seine Leute haben aus ihrer Sympathie für Paramount keinen Hehl gemacht und auch erkennen lassen, dass ihnen die kritische Berichterstattung etwa des zu Warner Bros. Discovery gehörenden Nachrichtensenders CNN ein Dorn im Auge sei. 

Paramount reagierte auf den Sieg von Netflix im Bieterverfahren mit einem feindlichen Übernahmeangebot. In der Folgezeit hat Entertainment-Konzern die Offerte sukzessive nachgebessert. Nach der neuesten Anpassung bietet Paramount 31 Dollar pro Aktie für Warner Bros. Discovery als Ganzes. Dazu kommen noch Milliardengarantien: So verspricht Paramount, eine 2,8 Mrd. Dollar schwere Strafzahlung zu übernehmen, die Warner Netflix zugesagt hat, falls die Übernahme scheitert. Zudem sagt Paramount auch noch 7 Mrd. Dollar zu für den Fall, dass die Paramount-Warner-Übernahme kartellrechtlich untersagt wird.

Netflix hingegen hatte 27,75 Dollar pro Aktie geboten – allerdings will Netflix für das Geld auch nur das Studio- und Streaminggeschäft von Warner kaufen und die Sender wie CNN bei Discovery belassen. Paramount hingegen würde den gesamten Konzern übernehmen und damit auch CNN in den mutmaßlichen Einflussbereich Trumps bringen. 

Der Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery betonte, dass die Bewertung der Angebote nach der nachgebesserten Paramount-Offerte noch nicht endgültig sei. Auch lässt Netflix offenbar offen, das eigene Angebot seinerseits doch noch nachzubessern. Die Bieterschlacht muss somit noch nicht beendet sein. Derzeit aber deuten die Zeichen eher auf einen Zuschlag für Paramount hin.

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