Dauerfrost und Schnee werfen die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin auf unbestimmte Zeit zurück. Dadurch verzögert sich auch eine andere Bahn-Baustelle.

Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin wird nicht rechtzeitig fertig. Die geplante Wiedereröffnung Anfang Mai wird sich auf noch unbestimmte Zeit verzögern. Ein außergewöhnlich langer Winter mit Dauerfrost und viel Schnee hat die Bauarbeiten auf der 280 Kilometer langen Strecken um Wochen zurückgeworfen, sagte der Infrago-Vorstand Gerd-Dietrich Bolte. „Wir kämpfen jeden Tag, aber wir können nicht alles aufholen, was in den letzten Wochen nicht gebaut wurde.“ 

Kernproblem sei der Kabeltiefbau für die Signalanlagen. Die Bahn hatte zwei bis drei Wochen Puffer für Wintertage eingeplant. Doch angesichts des härtesten Winters seit 15 Jahren reicht das nun nicht.

Berlin-Hamburg seit August gesperrt

Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist seit Anfang Augst 2025 für die Sanierung gesperrt – zunächst war mit neun Monaten Bauzeit geplant worden. Die Strecke führt durch fünf Bundesländer und ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Deutschland mit täglich rund 30.000 Fahrgästen im Fernverkehr und insgesamt 470 Zügen pro Tag. 

Es ist nach der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim die zweite große Generalsanierung der Bahn. Sie gilt als die eigentliche Feuerprobe, da die Bauarbeiten deutlich umfangreicher und der Ersatzverkehr komplizierter ist. Insgesamt plant die DB bis Anfang der 2030er Jahre mit über 40 Generalsanierungen, die einige Milliarden kosten werden. 

Bahn-Vorstand: zwei Vollsperrungen nicht zumutbar

„Wir wollen wieder ins Arbeiten kommen“, so Bolte. Doch noch passiere nichts da draußen. Die DB verschiebt nun bereits zum dritten Mal im Februar den Starttermin der Bauarbeiten wegen Neuschnees und Frost. Bis Ende 2025 hatte die Bahn nach eigenen Angaben mit ihren Gleisarbeiten im Zeitplan gelegen. „Doch der Januar und Februar hat uns aus der Kurve geworfen“, so Boll. Bei Minustemperaturen von 10 Grad könnten die Baufirmen keine Löcher in die Schienen bohren, um Elemente zu montieren. Auch Oberleitungen konnten nicht gezogen werden. Außerdem sei das Arbeiten aus Sicherheitsgründen über Wochen nicht möglich gewesen. 

Am 13. März will die DB bekanntgeben, bis wann sie die Strecke fertig saniert haben will. Dazu berät sie sich in den nächsten Wochen mit den Baufirmen. Dann wird sich auch abzeichnen, wie hoch die Mehrkosten ausfallen werden. Bereits heute wird an der Strecke im 24/7-Betrieb gearbeitet, in Hochphasen waren bis zu 1000 Leuten auf der Baustelle. Durch diese Verzögerung wird sich auch die Sanierung der Strecke Hamburg- Hannover nach hinten schieben. Die sollte eigentlich Anfang Mai starten. Zwei Vollsperrungen auf diesen Strecken seien Fahrgästen und Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht zumutbar. 

Auf die Statistik verlassen

Abstriche bei der Sanierung will die Bahn trotzdem nicht machen. „Wir können keine halben Stellwerke bauen“, so Projektleiter Julian Fassing. Obendrein stellt die DB klar, dass die Verzögerung ausschließlich witterungsbedingt sei. Es gebe keinerlei technischen Probleme beim Einbau der Leit- und Sicherungstechnik. 

Die Verzögerung stelle keineswegs das Konzept der Generalsanierung an sich infrage, so DB-Infrago Vorstand Bolte. Mit Ausnahme eines anderen Projekts werde die harte Winterperiode im Dezember und Januar bei allen anderen Sanierungen bereits ausgeklammert. „Nur bei Berlin-Hamburg haben wir uns auf die Wetter-Statistik der vergangenen 10 bis 15 Jahre verlassen und mit einem milden Winter kalkuliert.“ 

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