Mit Kampfpreisen für Espresso sorgte LAP Coffee in deutschen Großstädten für Empörung. Jetzt muss sich das Start-up gegen einen neuen Anbieter behaupten – aus China.

Sogar vor Vandalismus schreckten Kritiker nicht zurück. Als das Berliner Start-up LAP Coffee im vergangenen Jahr sein Filialnetz in der Hauptstadt ausbaute, klebten kurz darauf rote Farbe und Boykottaufrufe an den Schaufenstern. Der Vorwurf: zu günstige Kaffeepreise.

Tatsächlich kostet ein Espresso 1,50 Euro, ein Cappuccino 2,50 Euro und ein Flat White 3,00 Euro – deutlich weniger als in vielen Szene-Cafés Berlins. Kritiker sprechen von Preisdumping und sorgen sich um die gastronomische Vielfalt in ihren Wohnvierteln. Dem Erfolg von LAP Coffee hat die Debatte bisher kaum geschadet. Inzwischen gibt es mehr als 20 Filialen in Berlin, Hamburg und München. Finanzkräftige Investoren unterstützen die Expansion.

Cotti Coffee aus China startet in Deutschland

Zum Jahreswechsel sieht sich das Start-up nun jedoch mit einem neuen Herausforderer konfrontiert. Die chinesische Kette Cotti Coffee drängt seit Januar in deutsche Großstädte. Erste Filialen eröffneten unter anderem in Köln, Hamburg, Berlin und Düsseldorf – bevorzugt an Bahnhöfen oder belebten Plätzen. Laut „Handelsblatt“ wurde der Start zunächst nur über soziale Netzwerke kommuniziert. 

Das Angebot richtet sich vor allem an junge Menschen, was auch die teils noch aggressiver kalkulierten Preise verdeutlichen. Ein Espresso kostet bei Vorbestellung per App 99 Cent, ein Cappuccino 2,79 Euro. Gegen ein Foto bei Instagram gibt es ein Getränk gratis. Ob die Preise dauerhaft so niedrig bleiben, muss sich erst noch zeigen.

Wie LAP Coffee setzen die Chinesen auf digitale Bestellungen, Rabattaktionen und Social-Media-Kampagnen. Der Kaffee kommt aus Vollautomaten statt aus edlen Siebträgermaschinen. Unterschiede gibt es beim Interieur: Während das Berliner Start-up LAP in den meisten Filialen auf minimalistische Ästhetik setzt, muten die Läden von Cotti eher wie Fastfood-Imbisse an. Auf Sitzplätze und viel Personal verzichten beide Anbieter weitgehend.

Starbucks verliert Marktanteile

Der Anspruch der Chinesen beim Wachstum ist jedoch umso größer. „Wir wollen die führende Kaffeekette der Welt werden“, heißt es vom Unternehmen, das erst vor vier Jahren von Qian Zhiya gegründet wurde. Nach eigenen Angaben kommt Cotti Coffee bereits auf 18.000 Filialen in 28 Ländern. Damit ist die Kette schon die globale Nummer drei – hinter Starbucks und Luckin Coffee aus China.

Apropos Starbucks: Noch kommen zwar jedes Jahr neue Filialen der US-Kaffeehauskette dazu. Doch vor allem im hart umkämpften Wachstumsmarkt China beißen die Amerikaner auf Granit. Hohe Preise und ein vermeintlich cooles Image tragen nicht mehr. In den vergangenen fünf Jahren ging der Marktanteil dort um mehr als die Hälfte auf 14 Prozent zurück. Zugleich sanken die Erträge zwischen 2021 und 2024 um 19 Prozent, wie die „Financial Times“ berichtet. Im November verkaufte Starbucks einen Mehrheitsanteil an seinem China-Geschäft für 4 Mrd. Dollar an die Investmentfirma Boyu Capital.

LAP Coffee sucht sich neue Kaffee-Verbündete

Marktbeobachter gehen deshalb davon aus, dass sich chinesische Billig-Anbieter auch hierzulande durchsetzen. „Cotti Coffee zielt auf die potenziellen Kunden von Starbucks und Co. Die Kette spielt alle Möglichkeiten der digitalen Klaviatur perfekt, um Kunden zu erreichen und zu binden“, zitiert das „Handelsblatt“ den Branchenexperten Axel Weber von der Beratung Soda Group. Cotti Coffee werde damit auch im deutschen Markt zum „ernsthaften Player“.

Gastronomie Warum die Mehrwertsteuersenkung wohl keinen Restaurantgast erreicht

Bei solchen Gemengelagen ist es für lokale Anbieter immer gut, sich neue Verbündete zu suchen. Das hat man nun auch bei LAP Coffee erkannt. Am Mittwoch gab das Berliner Start-up eine Kooperation mit der Deutschen Bahn bekannt. Vorerst bis April betreibt das Unternehmen eine Kaffee-Filiale in der stark frequentierten S-Bahn-Verteilerebene in München.

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