Inhalt des Artikels:
- DDR war viertgrößter Uranproduzent der Welt
- Sanierungsunternehmen Wismut GmbH beseitigt Altlasten
- Bisher Sanierungs-Kosten von 7,3 Milliarden Euro
DDR war viertgrößter Uranproduzent der Welt
Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Bergwerk in Johanngeorgenstadt begonnen, Uran im Erzgebirge abzubauen. Die DDR wurde sogar zum viertgrößten Uranproduzenten der Welt – mit einer Industrie, die den Tarnnamen "Wismut" trug. Das Uran wurde im Auftrag der Sowjetunion für ihr Atomprogramm abgebaut. "Das Erstaunliche an dieser Urangeschichte ist, dass die Sowjetunion bei Kriegsende nicht über ausreichende eigene Uranerzvorkommen verfügte, um rasch den Vorsprung der Amerikaner beim Bau einer Atombombe aufzuholen", sagt Wirtschaftshistoriker Rainer Karlsch gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.
1954 wurde die Wismut zur sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft und die DDR zur Hälfte am Unternehmen beteiligt. Die Wismut wuchs in den Anfangsjahren rasant. Im Schlema-Tal bei Aue entstand das größte Bergwerk Europas, Hunderte Schächte und Gänge ragten dort bis zu 1.800 Meter in die Tiefe. Die Wismut AG hatte acht Standorte in Sachsen und Thüringen.
Sanierungsunternehmen Wismut GmbH beseitigt Altlasten
Am 20. Dezember 1990 wurde das Aus der Wismut besiegelt: Der damalige Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann und Moskaus Atomminister Konowalow unterzeichneten einen Vertrag, der das vereinte Deutschland bis heute vor gewaltige Herausforderungen stellt. Im März 1991 wurde dann auch das letzte Uranerz im Bergwerk in Schlema abgebaut. Bis dahin hatte die DDR mehr als 230.000 Tonnen Uran ausschließlich in die Sowjetunion geliefert.
Nach dem Ende der DDR wurde auch begonnen, die strahlenden Halden und Schächte zu sanieren. Um die Altlastenbeseitigung kümmert sich die Wismut GmbH, ein dafür von der Bundesregierung gegründetes Sanierungsunternehmen. "Der ehemalige Uranbergbaubetrieb wurde zu einem Sanierungsunternehmen umstrukturiert", so das Bundeswirtschaftsministerium auf seiner Homepage. 1991 wurde der sowjetische Anteil der Gesellschaft auch an Deutschland übertragen, heißt es dort zudem.
Von Stilllegung, Flutung bis Abtragung und Renaturierung
Das abfließende Grubenwasser von stillgelegten und deswegen gefluteten Schächten ist bis heute mit Giftstoffen kontaminiert und muss noch über Jahrzehnte in Wasseraufbereitungsanlagen gereinigt werden. Eine von vielen Ewigkeitsaufgaben, die der jahrzehntelange Uranabbau hinterlässt.
Oberhalb der Schächte wurden gigantische Halden abgetragen oder verwandelten sich in Grünflächen. Auf der Hammerberghalde am Rande von Bad Schlema wird heute Golf gespielt. Der Körper der Halde besteht nach wie vor aus uranhaltigem Gestein, darüber befindet sich eine ein Meter dicke Schicht aus Kies und Mutterboden. Es muss weiter überwacht werden, ob sich Risse bilden.
Enormer Aufwand wurde in Ronneburg betrieben, wo die Wismut einen 200 Meter tiefen Tagebau zurückgelassen hatte. Die Grube wurde mit dem Schutt umliegender Halden verfüllt. Teilweise ist die Sanierung noch in vollem Gange. Im Untergrund der Absetzanlage Culmitzsch befindet sich ein gigantischer Schlammteich. Jahrzehntelang wurden hier die Rückstände der Uranaufbereitung eingeleitet. Giftige Schlämme aus Uran, Arsen und Schwefelsäure. Seit mehr als 35 Jahren wird daran gearbeitet eine 8o Meter mächtige Schicht aus Giftschlämmen sicher und trocken abzudecken.
Bisher Sanierungs-Kosten von 7,3 Milliarden Euro
Die Wismut-Sanierung und die Beseitigung der radioaktiv kontaminierten Altlasten sind ein Mammutprojekt, an dem noch lange gearbeitet werden muss. Die Kosten belaufen sich bislang auf 7,3 Milliarden Euro. Wie das Bundeswirtschaftsministerium auf seiner Homepage mitteilt, seien bisher über 90 Prozent der Sanierungsarbeiten erledigt.
Doch noch heute sind auch einige Halden unsaniert. Wie in Gauern, südöstlich von Gera, gibt es etwa in Thüringen 15 kleinere Altstandorte, die im Sanierungsabkommen Anfang der 1990er-Jahre nicht berücksichtigt wurden. Auch wenn darauf Wälder wachsen, drohen giftige Sickerwässer das Grundwasser zu kontaminieren. "Wir schätzen, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts weitere 1,7 Milliarden Euro aufgewendet werden müssen, um die Restarbeiten zu realisieren und insbesondere die Nachsorgeaufgaben entsprechend abzusichern" sagt Michael Paul, der Technische Geschäftsführer der Wismut GmbH dem MDR-Magazin Umschau.
MDR (cbr)
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