• Sachsen-Anhalts Bauernverband fordert Unterstützung, damit die heimische Landwirtschaft in Krisen helfen kann.
  • Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft hält eine Unabhängigkeit von Importen für wichtig.
  • Innovationen voranzutreiben kann auf dem Weg zur Ernährungssicherheit helfen.

Rund 80 Prozent der Lebensmittel und Güter in Deutschland werden durch heimische Produktion gedeckt. Mit der Ernährungssicherheit gibt es kein Problem.

Bauernverband fordert Grundabsicherung für Landwirtschaft

Dennoch findet der Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Olaf Feuerborn, die Ankündigung des Bundeskanzlers gut. "Wir diskutieren darüber, dass wir Handelsabkommen mit anderen Ländern eingehen, zum Beispiel mit den Mercosur-Staaten. (…) Das wird unsere Marktpreise in Deutschland und Europa belasten. Das führt dazu, dass Produktionen hier bei uns zurückgefahren werden, weil wir uns das kostenmäßig nicht mehr leisten können."

Es brauche eine gewisse Grundabsicherung, fordert Feuerborn. "Und von daher ist es wichtig, die Landwirtschaft auch so zu stärken, dass wir als starker Partner nach wie vor auch in Krisensituationen zur Verfügung stehen." Feuerborn zufolge müsse die Politik dafür bei den Rahmenbedingungen ansetzen. So seien Energie- und die Lohnnebenkosten zu hoch – und die Regeln für Düngemittel und Pestizideinsatz zu streng.

Krisensicher durch Nachhaltigkeit

Das sieht Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft etwas anders. Die Ökosysteme dürften nicht durch Deregulierung geschädigt werden, sagt er. "Wir müssen unabhängiger von Importen werden, beispielsweise beim Futtermittel und von Importen fossiler Energie beziehungsweise Dünger, der aus fossiler Energie hergestellt wurde." Außerdem müsse die Landwirtschaft nachhaltiger werden. "Denn wir brauchen stabile Ökosysteme für stabile Erträge."

Auch Christine Chemnitz vom Think Tank Agora Agrar sieht das ähnlich. Wünschenswert sei eine nachhaltige Landwirtschaft vor Ort, die sich auch an den Klimawandel anpasse. Doch das müsse die Politik aktiv fördern, so Chemnitz. "Nur über eine langfristige Planungssicherheit und eine wirkliche Vision und ein Ziel für den Sektor finden dann Investitionen und auch Innovationen statt." Darauf warteten viele, so Chemnitz.

Ernährungsindustrie kritisiert hohe Produktionskosten in Deutschland

Planungssicherheit ist auch, was bei Olivier Kölsch, dem Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, ganz oben auf der Wunschliste steht.

Außerdem seien die Kosten am Standort Deutschland zu hoch. "Das heißt, wenn ich Produktionskosten habe, die künstlich über regulatorische Vorgaben, über eine Verknappung von bestimmten Rohstoffen oder beispielsweise durch überhöhte Kosten für Energie oder Fachkräftemangel, wenn diese zusätzlichen Kosten höher sind als woanders, dann ist mein Produkt natürlich nicht mehr wettbewerbsfähig." Kölsch findet es aber sinnvoll, mehr darüber zu sprechen, wie gut das Land auf Krisen vorbereitet ist.

Agrarökonom: Landwirtschaftliche Innovationen vorantreiben

Auch Agrarökonom Matin Qaim von der Universität Bonn hält das vor dem Hintergrund der geopolitischen Realitäten für richtig, sagt er. Er sieht sowohl im Anbau vielfältigerer Feldfrüchte viel Potenzial, als auch in Gentechnik und Robotik. "Wir müssen schon gucken, dass wir auch Technologien vorantreiben, dass wir Innovationen im Bereich der Landwirtschaft vorantreiben, die unsere Produktion hier krisenfest macht und gleichzeitig einen Beitrag auch zur Weltversorgungslage leistet."

Denn auch wenn die Nahrungsmittelversorgung in Europa sicher sei, sehe das auf internationaler Ebene weit weniger rosig aus, so Qaim. Deshalb könne eine Krisenstrategie nicht nur die die Versorgungssituation im Inland in den Blick nehmen.

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