• Gewerkschaft IG BCE betont, trotz der schwierigen Lage dürften die Probleme nicht auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden.
  • Der Arbeitgeberverband Nordostchemie ist gegen Lohnerhöhungen für die Tarifbeschäftigten.
  • Mehrere Unternehmen der Chemie-Industrie haben Schließungen von Anlagen in Sachsen-Anhalt und Sachsen angekündigt.

Die regionalen Tarifverhandlungen für die rund 48.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland sind am Dienstag in Leuna ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Wie der Arbeitgeberverband Nordostchemie erklärte, sollen sie am 3. Februar auf Bundesebene fortgesetzt werden.

Probleme nicht auf Arbeitnehmer wälzen

Die Landesbezirksleiterin Nordost und Verhandlungsführerin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Stephanie Albrecht-Suliak, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Lage der chemischen Industrie "ist vor allem in der Grundstoffchemie in unserem Tarifbezirk aufgrund von wirtschafts- und handelspolitischen Herausforderungen kritisch". Das dürfe aber nicht bedeuten, dass alle Probleme der Branche und der globalen Politik auf dem Rücken der Mitglieder ausgetragen würden.

Der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands Nordostchemie, Jens Haselow, sagte der dpa: "Wir brauchen einen Tarifabschluss, der die Krise anerkennt und nicht verschärft". Oberstes Ziel müsse der Schutz des Chemiestandorts Ostdeutschland und die Sicherung von Arbeitsplätzen sein.

Arbeitgeber weisen Forderungen zurück

Im Mittelpunkt der laufenden Chemie-Tarifverhandlungen stehen in Leuna für den Tarifbezirk Nordost die von der Tarifkommission der IG BCE am 9. Dezember 2025 einstimmig beschlossenen Forderungen. Das Motto lautet: "Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt." Der IG BCE zufolge hat die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland einen Jahresumsatz von mehr als 30 Millionen Euro.

Albrecht-Suliak von der IG BCE betonte, dass die Zahl der Ausbildungsplätze in der Chemie Ost zum Ausbildungsjahr 2025/2026 um über 30 Prozent zurückgegangen sei. "Angesichts der demografischen Entwicklung und der spezifischen Themen der Jugend in Ostdeutschland ist diese Entwicklung verantwortungslos und nicht zu akzeptieren", so die Gewerkschafterin.

Die Arbeitgeberseite Nordostchemie hatte die Forderung der IG BCE im Vorfeld zurückgewiesen. Statt eine Erhöhung der Einkommen brauche die Branche eine "tarifpolitische 'Atempause'", hieß es. Nur so könnten Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen und Arbeitsplätze gesichert werden. Der Arbeitgeberverband ist demnach ein Zusammenschluss aus mehr als 150 Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Unternehmen wollen Anlagen einstellen

Die Chemie-Industrie im Osten hat zuletzt einige Dämpfer verkraften müssen. Das belgische Unternehmen Domo Chemicals hatte Mitte Januar mitgeteilt, die Produktion an seinen drei deutschen Standorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg sofort zu stoppen. Für den Weiterbetrieb am Domo-Standort in Leuna ist nun zwischenzeitlich das Land Sachsen-Anhalt eingesprungen. Zudem ist schon bekannt, dass der US-Konzern Dow Chemical einen Teil seiner Anlagen in Böhlen und Schkopau bis Ende 2027 stilllegen will. Das bedeutet den Verlust vieler Arbeitsplätze in der Region.

Weniger Produktion und Stilllegung haben immer auch einen unmittelbaren Einfluss auf die Produktionskette, etwa auf Zulieferfirmen. Nordostchemie zufolge hängen an jedem Chemiearbeitsplatz drei bis vier Arbeitsplätze von Zulieferern oder in angrenzenden Branchen.

dpa (kar)

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