Noch heute kann man diesen Imagefilm im Internet finden – aus besseren Tagen. Er zeigt das Sommerfest der Döbelner Anlagen- und Maschinenbau GmbH (DAMB) , August 2024. Es gibt Musik, Würstchen, Kinderschminken. Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Stanislaw Tillich läuft über den zur Partyzone umgebauten Parkplatz. Investor Olaf Zachert steht am Mikrofon und lobt seine "wunderbar tolle Belegschaft", die er übernommen hat.
Keine anderthalb Jahre später sitzen Teile dieser Belegschaft auf einem Sofa im sächsischen Stauchitz, sehen das Video, blättern in alten Zeitungsartikeln und sind ratlos. "Wenn ich das im Nachgang betrachte, dann liest sich das alles wie Hohn und Spott", sagt der gelernte Landmaschinenschlosser Karsten Harasim. Sein Kollege Torsten Fleck zeigt auf einen Artikel über Olaf Zachert. Überschrift: "Der Investor mit Herz für Arbeitnehmer." Die Männer lächeln bitter.
Der Zeitungsartikel über Olaf Zachert.Bildrechte: Ralf GeißlerDie beiden haben vor mehr als zwanzig Jahren bei der stolzen Döbelner Firma angefangen. Das Unternehmen hat Anlagen für die Getreideproduktion hergestellt. "Wir haben Reinigungsmaschinen für Hülsenfrüchte gemacht", erzählt Fleck. "Weltweit wurden die geliefert."
Lohnausfälle nach Zacherts Übernahme
Zachert kauft die Firma 2024 von der Schweizer Bühler-Gruppe, die das Werk nach dem Ukrainekrieg nicht mehr auslasten kann. Die Beschäftigten begegnen dem Investor zunächst mit Skepsis. Dann präsentiert Zachert ihnen CDU-Mann Stanislaw Tillich und den langjährigen Chef des Leipziger Porsche-Werks Siegfried Bülow als Begleiter für den Neustart. "Von dem Moment an", erinnert sich Harasim, "haben wir der Sache vertraut."
Die ehemaligen Beschäftigten Torsten Fleck und Karsten Harasim.Bildrechte: Ralf GeißlerZunächst läuft der Betrieb weiter, die Belegschaft arbeitet Aufträge ab. Doch im Februar 2025 bleibt der Lohn aus. Die Geschäftsleitung begründet das gegenüber den Beschäftigten mit einem Hackerangriff. "Wir dachten, das stehen wir durch", erinnert sich Torsten Fleck. Doch dann kommt auch im zweiten Monat kein Geld.
Anfang April, keine acht Monate nach dem Sommerfest, wird dem Werk der Strom abgeklemmt – wegen offener Rechnungen. Olaf Zachert meldet für die Firma Insolvenz an, zieht diesen Antrag im Juni aber wieder zurück. Er bietet den Beschäftigten "freiwillige Abschlagszahlungen" an. Auf ihren regulären Lohn warten sie bis heute. Und andere warten auch. Denn Olaf Zachert hat diverse Firmen übernommen – und nicht nur einmal Ratlosigkeit hinterlassen.
Zachert spricht von Täuschung
Nach dem gescheiterten Döbeln-Projekt nimmt der MDR Kontakt zu Olaf Zachert auf. Dieser lädt über eine PR-Agentur zu einem Hintergrundgespräch ein, zu dem unangekündigt auch zwei Rechtsanwälte erscheinen. Zacherts Anwältin schreibt später, ihr Mandant sei beim Kauf des Maschinenbauers arglistig getäuscht worden. Es habe sich gezeigt, "dass intern mit höheren Kosten gerechnet wurde, als gegenüber meinem Mandanten dargestellt wurde."
Die Bühler-Gruppe als Verkäuferin bestreitet Täuschung. Man habe sämtliche vertragliche Verpflichtungen ausnahmslos und vollständig erfüllt. Der neue Eigentümer habe sogar Geld von Bühler erhalten. Trotzdem ist Zachert als Firmenretter gescheitert – und das nicht zum ersten Mal.
Weitere Fälle
An einem Januartag 2026 stapft der Insolvenzverwalter Hartmut Krüger durch das verschneite Grünheide. Hier, in Brandenburg, hat die Zachert Private Equity ihren Sitz. Krüger wohnt nicht weit weg. Auch er hat Zachert mal eine Firma verkauft: den Traditionsbetrieb Regent, die letzte deutsche Manufaktur für Herrenanzüge. Sie ist Ende 2018 bereits das dritte Mal pleite. Und Olaf Zachert, erinnert sich Krüger, sei der einzige gewesen, der ernsthaft kaufen wollte.
"Also ein Konzept gab es gar nicht", erinnert sich Krüger. "Er hat sich das angeschaut und hat dann immer wieder Ideen eingebracht. Das war auch gut. Ideen, mit welchen Größen aus Politik oder Wirtschaft er dieser Marke wieder Leben einhauchen kann, das war ein entscheidender Punkt."
Krüger hofft, dass er die Firma retten kann. Als Kaufpreis werden 80.000 Euro vereinbart. Doch Zachert bezahlt nicht. Er wird später argumentieren, der Kaufpreis sei durch Verrechnungen erbracht worden. Die Beschäftigten bekommen nach der Übernahme keinen Lohn mehr. Selbst die Sozialversicherungsbeiträge werden nicht überwiesen. Insolvenzverwalter Krüger entscheidet sich nach rund zwei Monaten für eine Rückabwicklung des Geschäfts. Auch die Beschäftigten widersprechen dem Wechsel zu Zachert.
Insolvenzverwalter: Rückblickend hätte ich vielleicht mehr hinschauen müssen
Mit diesem Schritt begründen dessen Anwälte heute allerdings, dass gar keine Lohnansprüche entstanden seien. Sie argumentieren, "dass die Regent Produktionsgesellschaft mbH unter Geschäftsführung unseres Mandanten nie Vertragspartnerin der einzelnen ArbeitnehmerInnen war, da es nie zu einem wirksamen Betriebsübergang gekommen ist."
Krüger kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. So etwas wie mit Olaf Zachert habe er noch nie erlebt: "Es war überhaupt kein betriebswirtschaftliches Wissen vorhanden, nicht einmal ein Standardwissen. Rückblickend hätte ich vielleicht auch mehr hinschauen und kritischer nachfragen können und müssen."
Der Fall beschäftigt den Insolvenzverwalter bis heute. Denn ein Gericht muss klären, ob er noch für einen Teil der nicht bezahlten Sozialversicherungsbeiträge aufkommen muss. Ein Urteil wird für Ende Januar erwartet. Krüger hat noch Quittungen vorliegen, die zeigen, dass sich Zachert damals Bargeld aus der Firmenkasse aushändigen ließ. Zacherts Anwältin betont, dies sei im Einklang mit den Regelungen des Unternehmenskaufvertrags erfolgt: "Die Gelder wurden auf ein Geschäftskonto eingezahlt."
Privatinvestor seit 2010
Olaf Zachert hat mal als Fernsehjournalist begonnen: RTL, Bloomberg TV. 2010 tritt er öffentlich als Privatinvestor auf. Er will damals 200 Reisebüros kaufen und unter der Marke OZTravel vereinen. Doch schon im Februar 2011 wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, die Firma später liquidiert.
2017 übernimmt Zachert Deutschlands drittgrößten Händler für Erlebnisgutscheine, Meventi. Auch hier berichtet der Insolvenzverwalter heute, dass mit der Übernahme weder Kaufpreis noch Löhne gezahlt wurden. Auf Antrag einer Krankenkasse wird im September 2018 ein Insolvenzverfahren gegen Zacherts Käufergesellschaft eröffnet.
Während der Corona-Pandemie kauft Zachert in den USA den Getränkeabfüller BWR, parliert darüber auf einer Investorenkonferenz. Heute existiert auch BWR nicht mehr. Zachert verweist darauf, dass die Firma ordentlich liquidiert worden sei. Er sieht sich hier als Opfer eines Betrugs.
2024 will er die Fotokette Studioline mit bundesweit hunderten Mitarbeitern übernehmen. Dem Regionalsender MV1 erzählt er, dass Studioline die älteste Studiokette Deutschlands sei: "Und da wäre es extremst schade gewesen, wenn dieses Unternehmen einfach von der Landkarte verschwinden würde." Die Fotokette gibt es noch, arg geschrumpft – und nachdem ein anderer Investor eingesprungen ist. Den Verkauf an Zachert stoppt der zuständige Insolvenzverwalter buchstäblich in letzter Minute.
Zachert mit prominenten Beiräten
Auf Instagram folgen Olaf Zachert fast 270.000 Nutzer. Seine Internetseite ist auf Englisch. Man sieht dort ein Büro in New York, in das er aber nie eingezogen ist. Der Vermieter schreibt uns, der Vertrag sei hinfällig – weil die Kaution nicht gezahlt wurde.
Zachert sucht sich für seine Investitionen immer wieder prominente Beiräte. Der verstorbene RTL-Gründer Helmut Thoma hat ihn beraten, kurze Zeit auch Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Christian Kern. Die Datenbank Northdata weist ein kleines Firmengeflecht rund um den Investor aus. Seine Geschäfte beschreibt ein Pressetext so: "Fünf bis zehn Deals pro Jahr realisiert die Zachert Private Equity. Sich selbst sieht die Firma als Partner auf Zeit, die Krisen mit dem Unternehmen/Unternehmer löst."
Der Firmenbriefkasten von Olaf Zachert.Bildrechte: Ralf GeißlerWie viele Unternehmen hat er erfolgreich saniert?
Doch wie viele Unternehmen hat er erfolgreich saniert? Im ersten Hintergrundgespräch bitten wir vergeblich um Beispiele. Später wird seine Anwältin schreiben: "Positivbeispiele, in welchen die Zachert Private Equity Krisen erfolgreich gelöst hat, lassen sich im Übrigen durch eine einfache Google-Recherche zum Namen unseres Mandanten ohne Schwierigkeiten ermitteln, wie wir getestet haben."
Wir können diese Positivbeispiele nicht finden – und bekommen auch auf Nachfrage keine genannt. Es gibt diverse Artikel über Olaf Zachert als Investor. Recherchiert man dann zu den Namen der übernommenen Firmen, hört man immer wieder von Liquidation, Insolvenz oder Rückabwicklung. Zachert wirkt wie jemand, der als Retter in letzter Not kommt – dann aber nicht rettet. Womöglich kein einziges Mal? Was ist das Geschäftsmodell?
Christoph Niering ist einer der erfahrensten deutschen Insolvenzverwalter. Er leitet seit 2011 den Berufsverband. Zum konkreten Fall will er nichts sagen, aber zum Geschäftsmodell falle ihm etwas ein. Zachert betreibt nach eigenen Angaben sogenanntes "Distressed Investment". Dabei werden Firmen in Krisensituationen übernommen, verlustbringende Teile abgetrennt und die Firma wird neu aufgestellt.
"Wenn Know-how da ist, wenn ich Management-Kapazitäten habe und wenn ich Geld habe, dann gibt es eine sehr hohe Erfolgschance, dass es auch funktioniert", sagt Niering. "Wenn ich eins dieser drei Dinge nicht mitbringen kann, gibt es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass das eben keine Erfolgsstory wird und dass die Rettung dann nicht funktioniert." Fehlte Olaf Zachert immer wieder eine dieser nötigen Zutaten? Oder ging es nie wirklich darum, die Firmen zu retten?
Kein Lohn nach Übernahme
Ein Industriegebiet in Rostock. Alex Heimlich von der Gewerkschaft IG Metall steht vorm Werkstor der IMG. Die Firma hat Werften in der ganzen Welt mit Werkzeugen beliefert. Doch 2024 geriet das Unternehmen in die Insolvenz. "Und dann ist relativ schnell Herr Zachert in den Medien vorangegangen und hat gesagt: Er würde die IMG übernehmen", erinnert sich Heimlich.
Zachert tritt damals mit der Idee auf, die Rostocker Firma mit seinem Maschinenbauer in Döbeln zu verzahnen. Es klingt ernsthaft. Mitarbeiter aus Döbeln fahren sogar nach Rostock und sehen sich den Werft-Zulieferer an. Doch dann erhalten auch IMG-Beschäftigte nach der Übernahme keinen Lohn – und auch Alex Heimlich bleibt ratlos zurück.
"Also er hatte gar keine Ahnung von dem, was die Kollegen hier machen", erinnert sich der Gewerkschafter. "Er hat auch keine Kontakte zu Werften gehabt, die die größten Auftraggeber waren oder zu Industrieunternehmen, um da überhaupt eine Fortführung zu schaffen."
Zacherts Anwältin entgegnet, beim Kauf der IMG habe die Verkäuferseite falsche Angaben gemacht. Sie habe zunächst eine "Projektpipeline" in Höhe von 380 Millionen Euro in Aussicht gestellt, diese dann auf 45 Millionen Euro konkretisiert und kurz vor Vollzug noch mehrere potenzielle Aufträge bestätigt. "Nach Vollzug der Übernahme am 1. April 2025 zeigte sich jedoch, dass die in Aussicht gestellten Aufträge nicht realisierbar waren und neue Kunden nicht gewonnen werden konnten. Zudem erwiesen sich gekaufte Assets als unvollständig."
Vorermittlungen gegen Zachert laufen
Haben also Insolvenzverwalter und Firmenverkäufer Olaf Zachert mehrfach mit falschen Zahlen hinters Licht geführt? Fest steht: Aus Jubelmeldungen sind Verlierergeschichten geworden. Beschäftigte warten auf Lohn, Partner auf Bezahlung, prominente Beiräte zur Firmenrettung stehen nun eher als Sterbebegleiter da.
"Herr Zachert wurde mir als seriöser Investor beschrieben", erklärt Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Deswegen habe er bei der Übernahme des Döbelner Maschinenbauers DAMB Pate gestanden. Die Nachfrage, wieviel Geld er für diese Tätigkeit erhalten habe, beantwortet Tillich nicht.
Gegen Olaf Zachert selbst hat die Staatsanwaltschaft Chemnitz Vorermittlungen eingeleitet – wegen des Anfangsverdachts der Insolvenzverschleppung, des Veruntreuens von Arbeitsentgelt und anderer Delikte. Die Ermittlungen werden durch die Polizeidirektion Chemnitz geführt und beruhen unter anderem auf dem Insolvenzgutachten, das der zwischenzeitliche Insolvenzverwalter der DAMB erstellt hatte. Der Ausgang des Vorermittlungsverfahrens ist offen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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