- Bundeskanzler Merz und Indiens Premier Modi haben mehrere Abkommen zur engeren Zusammenarbeit angekündigt.
- Noch liegen die Exporte aus Sachsen nach Indien weit unter denen nach China oder in die USA.
- Doch in Sachsen wächst das Interesse an Indien als Beschaffungs- und Absatzmarkt.
Markus Hoffmann-von Wolffersdorff ist Rechtsanwalt. Das Land Indien hat ihn nicht mehr losgelassen, seit er vor mehr als zwanzig Jahren bei der deutsch-indischen Auslandshandelskammer tätig gewesen ist. Inzwischen hat er eine eigene kleine Beratungsfirma, sitzt im Außenwirtschaftsausschuss der IHK Leipzig und leitet ehrenamtlich den sogenannten German-Indian Roundtable in Sachsen.
Indien als Alternative zu China und den USA
Die Signale, die der Kanzler aus Indien schickt, sieht Hoffmann-von Wolffersdorff sehr positiv. Deutschland müsse sich wirtschaftlich unabhängiger machen von den USA und China. Da sei Indien eine gute Adresse. "Deutschland ist der größte Handelspartner Indiens innerhalb der Europäischen Union. Insofern ist es nur konsequent und richtig, dass Kanzler Merz diese Linie von Kanzlerin Merkel und Scholz fortsetzt. Und das spielt auch sehr in die Karten der sächsischen Wirtschaft."
Indien sei Beschaffungs- und Absatzmarkt zugleich. Man teile ähnliche Werte. "Es ist die größte Demokratie, eine stabile Demokratie. Wir haben in Indien ein gut entwickeltes Rechtssystem. Wir haben auch rechtliche Mechanismen, die in China eben nicht vorhanden sind." Zum Beispiel, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums geht: "In Indien kann man Patente und Marken und Designs ganz normal anmelden, wie bei uns auch. Und wenn dagegen jemand verstößt, kann man, wie bei uns in Deutschland, in Indien dagegen auch etwas tun."
Sächsische Exporte nach Indien noch auf niedrigem Niveau
Für manche Branchen sei Indien besonders interessant, so Hoffmann-von Wolffersdorf – etwa die Halbleiterindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau. Allerdings: In Sachsen sei man erst in den vergangenen zwei Jahren in die Gänge gekommen.
Lars Fiehler von der IHK Dresden sieht Indien ebenfalls als große Chance für die deutsche und sächsische Wirtschaft. Es gebe aber noch viel Luft nach oben. Im Bereich Ostsachsen exportierten derzeit 80 Unternehmen nach Indien und fünf hätten dort eine eigene Niederlassung. "Wenn man mal in die Zahlen reinschaut, da sieht man, dass wir in den ersten drei Quartalen des letzten Jahres Waren und Dienstleistungen im Wert von ungefähr 220 Millionen Euro nach Indien geliefert haben."
Verglichen mit anderen Exportmärkten sei das ein sehr niedriges Niveau, so Fiehler. Zum Vergleich: Nach China oder in die USA waren es Exporte im Wert von jeweils 3,7 Milliarden Euro.
Warum Sachsen auf den Süden Indiens setzt
Fiehler nimmt jedoch ein steigendes Interesse von sächsischen Unternehmen an Indien wahr. Die politischen Verbindungen seien da, sagt Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Er war zuletzt häufiger in Indien – das letzte Mal im November zusammen mit Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter.
Horn hofft sehr auf ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. Sachsen konzentriere sich auf eine kleine Region in Indien: Tamil Nadu im Süden des Landes. "Dort gibt es sehr viele Industrien, die zu uns passen – Maschinenbau, Bahntechnik, Fahrzeugbau, Textilindustrie, Elektronikindustrie, Kunststofftechnik – und da sehen wir sehr viele Chancen drin, um das noch weiter auszubauen."
Am Dienstag setzt der Kanzler seine Indienreise fort. Am zweiten Tag seines Aufenthalts will Merz die Industrie- und Forschungsmetropole Bangalore und ein dortiges Werk von Bosch besuchen.
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