Fahrgäste müssen aufhorchen: Bei der Deutschen Bahn wird ab heute wieder über Tarife verhandelt - und das mit der streitbaren GDL. Warum vorerst aber keine Arbeitskämpfe drohen.

Die nächste Tarifrunde bei der Deutschen Bahn startet. Der bundeseigene Konzern verhandelt mit der streitbaren Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Streiks drohen vorerst aber keine. Der frühere Chef Claus Weselsky sitzt nicht mehr mit am Tisch. Sein Nachfolger Mario Reiß verhandelt stattdessen über mehr Geld für Tausende Beschäftigte bei der Bahn. Worauf sich Fahrgäste nun einstellen müssen. 

Wann drohen Streiks? 

Frühestens im März, wenn überhaupt. Beide Seiten setzen darauf, schon vorher zu einer Einigung zu gelangen. Zwar ist der vorige Tarifvertrag bereits Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen. Bis Ende Februar gilt aber eine Friedenspflicht. Arbeitskämpfe sind in dieser Zeit deshalb nicht möglich. 

Fünf Verhandlungsrunden sind für Januar und Februar geplant mit insgesamt 14 Verhandlungstagen. Für die letzten beiden Termine wurden sogar jeweils fünf Tage anberaumt. 

Trotz der Friedenspflicht könnte die GDL trotzdem den Druck früh erhöhen. Ein vorzeitiger Abbruch der Verhandlungen und eine Urabstimmung unter den Mitgliedern wären etwa ein mögliches Szenario. Dann könnte die Gewerkschaft im März sofort mit unbefristeten Arbeitskämpfen beginnen. Im vorigen Tarifstreit ist die GDL ähnlich vorgegangen. Damals führte noch der langjährige GDL-Chef Weselsky die Gespräche. Inzwischen ist er in Rente. 

Wer verhandelt? 

Stattdessen sitzt nun der neue Gewerkschaftsvorsitzende Mario Reiß am Verhandlungstisch. Wie Weselsky kommt er aus Sachsen, hat bislang aber nicht dessen polternden Stil übernommen. Die GDL ist die kleinere von zwei Gewerkschaften bei der Deutschen Bahn. Ursprünglich verhandelte sie vor allem für Lokomotivführer. Inzwischen vertritt sie aber auch weitere Berufsgruppen, etwa Zugbegleiter, Disponenten, Fahrdienstleiter oder die betriebsnahe Instandhaltung. 

Verhandelt wird der Bahn zufolge für insgesamt rund 10.000 Beschäftigte. Die GDL pocht darauf, dass es mehr sind, nennt die genaue Zahl aber nicht. Hintergrund dafür ist das sogenannte Tarifeinheitsgesetz, das bei der Bahn gilt. Es besagt, dass in einem Betrieb mit zwei konkurrierenden Gewerkschaften nur die Tarifverträge der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung angewendet werden. Bei der Bahn ist das in den meisten Betrieben die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). 

Was fordert die GDL? 

Die Gewerkschaft fordert bis zu 8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten. Neben einer Entgelterhöhung um 3,8 Prozent in den Tariftabellen will sich die GDL für Umstrukturierungen in den Tarifverträgen starkmachen. Unter anderem sollen die Gehälter der Auszubildenden deutlich erhöht sowie eine zusätzliche Tarifstufe eingeführt werden. Die Arbeitnehmervertreter verhandeln nicht nur mit der Deutschen Bahn, sondern auch mit einigen Privatbahnen. Auch mit privaten Wettbewerbern streiten sie derzeit um mehr Geld. Die Forderungen sind im Kern aber überall die gleichen. 

Was bietet die Bahn? 

Die Bahn hat noch kein konkretes Angebot vorgelegt. Damit ist auch für die heutige erste Gesprächsrunde nicht zu rechnen. "Die DB will konstruktiv verhandeln und in den vereinbarten zwei Monaten einen fairen und tragfähigen Abschluss am Tisch erreichen", teilte der Konzern lediglich mit. Die Arbeit der Beschäftigten, die unter schwierigsten Bedingungen täglich Außergewöhnliches leisteten, solle gewürdigt werden. 

Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf die derzeitige Krise und geplante Neuaufstellung der Bahn unter der neuen Chefin Evelyn Palla. Beide Seiten trügen eine "gemeinsame Verantwortung, die Krise zu meistern und den Neustart zum Erfolg zu bringen". Soll heißen: Der Spielraum ist begrenzt.

dpa
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