- Vor der Festlegung der Netzentgelte alle fünf Jahre kontrolliert die Bundesnetzagentur die Netzbetreiber, damit die nicht mehr Gewinne machen als erlaubt.
- In dem Jahr, in dem die Netzentgelte für die nächsten fünf Jahre festgelegt werden, blähen Netzbetreiber ihre Kosten teilweise künstlich auf, um so am Ende höhere Gewinne erzielen zu können.
- Laut einer Analyse erzielten Netzbetreiber 2023 im Schnitt 20 Prozent Gewinn, obwohl nur fünf bis acht Prozent erlaubt sind.
Einmal alle fünf Jahre muss sich die Thüringer Energienetze GmbH (TEN) nackig machen. Dann werden alle Rechnungen und Bilanzen von der Bundesnetzagentur geprüft: Personalkosten, Investitionsausgaben, Abschreibungen – bis zum letzten Kabelbinder, erklärt Unternehmenssprecher Martin Schreiber.
"Was kostet der Netzbetrieb, was wird in die Netze investiert, was brauchen wir, um die Netze zu unterhalten? Da fallen Löhne rein, die Kosten für Autos, Material, Sicherheitsleistungen, wenn wir Sachen nachkaufen müssen. Das alles findet Eingang in diese Kostenfaktoren, die wir einreichen – und für die wir dann die Netzentgelte festgelegt bekommen." Fotojahr oder Basisjahr nennt sich diese Prüfung.
Bundesnetzagentur kontrolliert Netzbetreiber alle fünf Jahre
Durchleuchten lassen muss sich dabei nicht nur die TEN, die größte Stromnetzbetreiberin in Thüringen. Betroffen sind alle Netzbetreiber in der Bundesrepublik. Mehr als 1.000 Unternehmen sollen so eine Kostentransparenz herstellen, die die Bundesnetzagentur – eine staatliche Behörde – überwacht, so Sprecher Fiete Wulff.
"Wir machen das letztlich nicht anders, als Einnahmen und Ausgaben beim Finanzamt überprüft werden. Und daraus ergibt sich dann ein Netzentgelt, was auf eine Kilowattstunde zu zahlen ist. Sodass Verbraucherinnen und Verbraucher am Ende nur das bezahlen, was tatsächlich notwendig ist."
Der irre Aufwand hat einen Grund: Netzbetreiber sind Monopolisten. Die strenge Regulierung durch die Bundesnetzagentur soll überhöhte Gewinne auf Kosten der Verbraucher verhindern. Alle fünf Jahre werden die Kosten im so genannten Fotojahr genehmigt – inklusive einer maximalen Gewinnmarge von rund fünf Prozent auf das eingesetzte Kapital.
Wie Netzbetreiber ihre Ausgaben aufblähen – und so ihre Gewinne steigern
Klar, in so einer Prüfung gibt es Spielräume – und genau darum geht es unserem Hörer. Ein Netzbetreiber wäre wenig clever, wenn er im Fotojahr Personal abbaut. Das Gegenteil sei daher der Fall, sagt Robert Busch vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft, kurz BNE. Manche Netzbetreiber nutzen die Spielräume, um im Fotojahr ihre Kosten aufzublähen.
"Das ist ja auch klar. Das heißt, die Bundesnetzagentur geht alle fünf Jahre dahin und fragt: 'Was braucht ihr?'. Und natürlich, alles, was man bewegen kann, wird aufgespart und an den Tag vorgelegt und gesagt: 'Hier, brauchen wir'. Die Mannschaft braucht neue Computer, irgendein Fahrzeug, irgendein Kupferkabel, sonst was... Das ist der Trick, wie man das machen kann, dass man dann in den folgenden vier Jahren davon ausgeht, das ist immer so. Aber so ist es natürlich nicht immer."
Netzbetreiber machen wohl deutlich mehr Plus als erlaubt
So konnten Netzbetreiber laut einer Analyse des BNE im Jahr 2023 im Schnitt 20 Prozent Gewinn erzielen, obwohl die erlaubte Marge bei fünf bis acht Prozent liegt, sagt Robert Busch.
Die Thüringer Energienetze GmbH beteuert, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Man denke sich keine Kosten aus, so Sprecher Martin Schreiber. Die Bundesnetzagentur versichert, genau zu prüfen und dabei auch ein Auge auf die Zeit nach einem Fotojahr zu haben.
Übrigens: Wie genau das "Aufblähen" der Kosten funktioniert, ist laut Busch kaum nachvollziehbar. Die Zahlen des Fotojahrs werden nicht veröffentlicht – und auch der Mechanismus der Gewinnfestlegung bleibt geheim.
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