Die US-Armee hat den Iran mit seinen eigenen Waffen angegriffen: mit billigen Kamikazedrohnen. „Lucas“ heißt die Kopie der „Shahed“-Drohne, deren Urahn aus Deutschland kommt.

Bei den Angriffen der USA auf den Iran sind neben Raketen und von Flugzeugen abgefeuerten Abstandswaffen auch Billigdrohnen zum Einsatz gekommen. Solche Waffen nutzten bislang vor allem der Iran selbst und Russland. Die bekannteste ist die iranische „Shahed 136“. Die USA hatten bisher vor allem auf teures Hightech-Gerät gesetzt; diese Taktik ist mit Blick auf die Drohnenkriegsführung in der Ukraine jedoch überdacht worden.

Das United States Central Command bestätigte den Einsatz von „Lucas“ – dem „Low Cost Unmanned Combat Attack System“. Mehrere dieser sogenannten Kamikazedrohnen seien vom Boden aus gegen Ziele im Iran eingesetzt worden, hieß es. Weder die Anzahl der Drohnen noch ihre Ziele sind derzeit bekannt. Gestartet wurden die Kampfdrohnen von der im Dezember vergangenen Jahres eigens geschaffenen Task Force Scorpion Strike (TFSS). Sie soll den US-Streitkräften künftig die Fähigkeit verschaffen, billig produzierte Drohnen im großen Stil einzusetzen.

Das Besondere an „Lucas“: Es ist ein Plagiat der iranischen „Shahed 136“. Man habe eine intakte iranische „Shahed“ in die Hände bekommen, sie auseinandergebaut und kopiert, zitiert der Militärblog „The War Zone“ einen US-Militär. Wobei die „Shahed“ selbst quasi eine Kopie ist.

Das Konzept der Kamikazedrohne kommt aus Deutschland

Der Grundentwurf ist rund 40 Jahre alt und stammt von Dornier aus Deutschland. Die „Dornier DAR“ wurde 1981 mit einem ähnlichen Einsatzzweck wie die heutigen Billigdrohnen erdacht. Sie sollte die Aufmerksamkeit gegnerischer Radare auf sich ziehen, damit die eigentliche Bedrohung – etwa Hubschrauber, Jets oder Marschflugkörper – unbehelligt vorbeihuschen konnte. Israel griff das DAR-Konzept auf und transformierte es in die „IAI Harpy“. Die Ähnlichkeiten zwischen dem deutschen Urahn, der „Harpy“ und der „Shahed“ sind frappierend.

Unverkennbare Verwandtschaft: Die „Dornier DAR“-Drohne aus den Achtzigerjahren hängt heute an der Decke des Dornier-Museums in Friedrichshafen am Bodensee © Matti Blume

Die US-Variante wird vom amerikanischen Unternehmen Spektreworks gebaut. Sie soll eine Nutzlast von 18 Kilogramm mit rund 140 km/h über eine Reichweite von 700 Kilometern transportieren können. Als maximale Einsatzdauer werden sechs Stunden angegeben. Der Preis von „Lucas“ liegt mit 35.000 Dollar pro Stück im Vergleich zu Raketen und Großdrohnen wie der „MQ-9 Reaper“ niedrig.

Durch digitale Vernetzung sollen „Lucas“-Drohnen auch autonom wie ein Schwarm agieren können, zitiert „The War Zone“ einen namentlich nicht genannten US-Soldaten. Durch die Anbindung an Elon Musks Satelliten-Internet Starlink sei zudem eine dynamische Zielerfassung im Flug möglich.

Infografik: Die iranische Kamikazedrohne „Shahed 136“ © DPA Infogafik, stern / rös; Quelle: DPA, UK Defence Intelligence, Army Recognition

Die „Shahed“-Drohne ist von den reinen Leistungsdaten her stärker. Sie trägt einen bis zu 60 Kilogramm schweren Gefechtskopf, den sie mit 185 km/h über mehr als 1000 Kilometer ins Ziel bringen kann. Der Aufbau ist einfach: An der Rumpfröhre sind Deltaflügel montiert, an deren Spitzen zwei Stabilisatoren sitzen.

Im Heck befindet sich ein Schubpropeller mit einem kleinen Vierzylinder-Zweitakt-Boxermotor mit lediglich 50 PS. Über die „Shahed“-Drohnen wird gern gelacht – weil sie ein Geräusch wie ein Moped machen. Der Motor erzeugt jedoch nur eine geringe Abwärme, die Form lediglich eine geringe Radarsignatur. Die Grundkonstruktion kann zudem variiert werden. Die Drohne lässt sich mit einem einfachen Düsentriebwerk für höhere Geschwindigkeiten ausstatten oder mit einer Stealth-Beschichtung versehen.

Die Wiedergeburt der Flak

Ihr Spottpreis ist der eigentliche Trumpf der „Shahed“-Drohnen – und all ihrer Plagiate. Im Vergleich zu anderen Waffen kostet sie fast nichts und kann daher in großen Mengen hergestellt und eingesetzt werden.

In der Ukraine werden zwar fast alle Drohnen dieser Art abgeschossen – doch genau das ist ihr Zweck. Sie binden die Flugabwehr und treiben zugleich die Kosten des Abwehrschirms in die Höhe. Luftabwehrsysteme mittlerer und größerer Reichweite verschießen Abfangraketen, die ein Vielfaches mehr kosten als die Drohnen.

In der Ukraine werden diese Drohnen im Nahbereich inzwischen fast nur noch mit Kanonen wie dem Flakpanzer „Gepard“ oder dem hochmodernen „Lynx Skyranger“ von Rheinmetall bekämpft. Ein paar Schuss aus der Kanone holen Drohnen zuverlässig vom Himmel und sind deutlich günstiger als eine Rakete. Dabei muss die moderne Airburst-Munition nicht einmal direkt treffen: Sie zersplittert vor dem Ziel, sodass die Drohne in einen Splitterregen fliegt und abstürzt.

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