Eigentlich sollte der Panzer VT-4 ein Vorzeigeprojekt der chinesischen Rüstungsindustrie werden. Seit Jahren versucht China, sich als Anbieter von in Preis und Unterhalt günstigen, doch leistungsfähigen Waffensystemen auf dem internationalen Markt zu etablieren. Diese Rolle hatte bislang Russland inne, das zur Hochzeit des Kalten Krieges die Staaten des Warschauer Paktes und viele Schwellenländer mit Kampfpanzern versorgte. Der VT-4 der chinesischen Rüstungsschmiede China North Industries Corporation (Norinco) soll die Dominanz der russischen Rüstungsfirmen brechen.
Nach einem Bericht des meist ausgezeichnet informierten "Defence Blog" hat die thailändische Armee dem chinesischen Panzer nun ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Thailand erwarb 2018 als erster Großkunde 38 VT-4. Mitte vergangenen Jahres wurde der Panzer im Rahmen des Grenzkonflikts mit Kambodscha erstmals in scharfe Gefechte geschickt.
Fazit der Panzeroffiziere: Informell empfahlen sie bei kritischen Einsätzen die Verwendung des M60-Panzers aus US-Produktion oder des T-84BM Oplot-T aus der Ukraine. Beide Typen sind noch im Bestand der Streitkräfte und sollten eigentlich vom VT-4 ersetzt werden. Der M60 ist ein Veteran des Kalten Krieges. Von der US-Armee wurde der Letzte seiner Art bereits vor 30 Jahren ausgemustert.
Was die Panzer-Dinosaurier in den Augen der thailändischen Besatzungen besser macht als den in allen Belangen moderneren VT-4? Sie seien technisch zuverlässiger, zitiert der "Defence Blog" Insider.
VT-4-Panzer seien im Einsatz häufig wegen Fehlfunktionen ausgefallen, hieß es. Mal seien es Probleme mit dem 1300 PS starken Turbodiesel gewesen, mal habe es Fehler in der Elektronik gegeben, hätten Panzerbesatzungen berichtet. Die Beschwerden hätten sich so gehäuft, dass nicht mehr von Einzelfällen gesprochen werden könne.
Der Turm des Panzers dreht sich zu langsam
Auch die Drehgeschwindigkeit des Turmes sei für dynamische Gefechtssituationen zu langsam, urteilt die thailändische Panzertruppe. Das Tempo, mit dem die Kanone auf ein neues Ziel ausgerichtet werden kann, ist entscheidend für die sogenannte Hunter-Killer-Fähigkeit des VT-4. Hunter-Killer bedeutet, dass der Kommandant bereits das nächste Ziel anvisieren kann, während der Richtschütze noch auf das zuvor ausgemachte Ziel feuert. Je schneller sich der Turm drehen kann, desto zügiger können Ziele nacheinander bekämpft werden.
Wenn die Kanone denn überhaupt schießt. Die Panzerbesatzungen berichten dem "Defence Blog" zufolge vom schnellen Verschleiß der 125-mm-Glattrohrkanone bei Feuergefechten. Rohrverschleiß ist vollkommen normal, jeder Panzer und jede Haubitze halten nur eine definierte Anzahl von Schüssen. Beim VT-4 soll die Kanone jedoch bereits ausgefallen sein, kurz nachdem diese Haltbarkeitsgrenze in Gefechten überschritten wurde.
Die königlich-thailändische Armee hat mittlerweile eingeräumt, dass bei einem VT-4 im Gefecht das Kanonenrohr platzte und der Panzer schwer beschädigt wurde. Die genaue Ursache werde noch ermittelt, hieß es.
Im jetzigen Zustand nicht einsatzbereit
Auch am Schutzniveau lassen die Besatzungen kein gutes Haar. Vor allem die Seitenpanzerung sei nicht mehr zeitgemäß. Der VT-4 besteht aus verschweißtem Panzerstahl mit einer Schicht Verbundpanzerung, auf der zusätzlich noch Reaktivpanzerung angebracht werden kann.
Gelobt würden zwar die waffenstabilisierte Feuerkontrolle, die Sensorik mit Wärmebildkameras und die vollautomatischen Nebelwerfer – doch insgesamt würden diese Vorteile durch die Unzuverlässigkeit unter Gefechtsbedingungen aufgehoben. Der VT-4 sei im jetzigen Zustand nicht einsatzbereit, hieß es.
Ähnliche Erfahrungen machte offenbar auch Nigeria mit seinen VT-4. Das afrikanische Land setzt die Panzer im Kampf gegen Boko Haram ein. Bei einer Übung ließ sich das Hauptgeschütz nicht abfeuern. Und ausgerechnet in China blieb ein VT-4 bei einer Vorführung im Rahmen der Zhuhai Airshow vor dem staunenden Publikum liegen: Eine der vorderen Laufrollen fiel einfach ab. Die Airshow ist Chinas internationales Schaufenster für die Fähigkeiten der nationalen Rüstungskonzerne.
Spott wäre jedoch unangebracht. Wenn China eines immer wieder unter Beweis gestellt hat, dann ist es Ausdauer in der Produktentwicklung.
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