Donald Trump hat die Parlamentswahlen zu einer Abstimmung über seine Präsidentschaft gemacht – und die Republikaner wurden abgestraft. Die US-Demokraten erobern nach Hochrechnungen die Mehrheit in beiden Kongresskammern.
Demokratische Senatskandidaten setzten sich dabei auch in Hochburgen der Republikaner wie Texas und Kansas durch. Eine Analyse der Wählergruppen auf Grundlage einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und großer TV-Sender zeigt, welche Wählergruppen für die Demokraten gestimmt haben.
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Junge Wähler
Bei der Abstimmung über das Repräsentantenhaus entschieden sich mehr als 70 Prozent der 18- bis 29-Jährigen für die Demokraten. In keiner anderen Altersgruppe ist der Unterschied zu den Republikanern (25 Prozent) so deutlich. Eine Mehrheit der Wähler unter 30 Jahren (60 Prozent) gab an, dass sie ihre Stimme auch deshalb abgegeben habe, um Opposition zu Trump auszudrücken.
Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hatte es noch deutliche Verschiebungen Richtung Trump gegeben. Vor allem junge Männer ohne College-Abschluss wählten den Republikaner.
Allerdings stellen die unter 30-Jährigen laut AP nur etwa ein Zehntel der Wähler bei diesen Zwischenwahlen. Das begrenzt den Einfluss ihrer deutlichen Hinwendung zu den Demokraten auf das Gesamtergebnis.
Ihre Unzufriedenheit fällt dennoch auf: Etwa die Hälfte der jungen Wähler bezeichnet sich angesichts der Entwicklung des Landes als „wütend“. Unter den Wählern ab 65 Jahren trifft das nur auf ungefähr ein Drittel zu.
Spanischsprachige Bevölkerung
Auch viele hispanische Wähler stimmten für demokratische Kandidaten für den Einzug ins Repräsentantenhaus. Laut AP unterstützte diesmal nur etwa ein Drittel der hispanischen Wähler, also der US-Bürger mit Wurzeln in spanischsprachigen Ländern, einen republikanischen Kandidaten für das Repräsentantenhaus. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hatten noch ungefähr 40 Prozent für Trump gestimmt. Rund 70 Prozent dieser Wählergruppe sagen inzwischen, Trumps Politik habe die wirtschaftliche Lage der USA verschlechtert.
Informationen der jüngsten Volkszählung 2020 zufolge identifizieren sich etwa 60 Millionen der insgesamt rund 340 Millionen Menschen in den USA als Latinos, also etwa 19 Prozent. Damit machen sie die größte Gruppe der ethnischen Minderheiten in den USA aus.
Schwarze Wähler
Schwarze US-Amerikaner entschieden sich mit überwältigender Mehrheit für demokratische Kandidaten für das Repräsentantenhaus. Nur neun Prozent machten laut Umfrage ihr Kreuz bei den Republikanern. Offensichtlich sind auch sie mit Trumps Politik unzufrieden. 60 Prozent wollten laut Umfrage mit ihrer Stimme ihre Ablehnung gegenüber Trump zeigen.
Weiße Wähler ohne Hochschulabschluss
Die „New York Times“ beobachtete zudem landesweit eine Verschiebung zugunsten der Demokraten in Regionen mit überwiegend weißen Wählern aus der Arbeiterschicht – die bisher ein wichtiger Teil von Trumps Wählerbasis war. In den untersuchten Bundesstaaten verschob sich das Stimmenverhältnis in Counties mit mehrheitlich weißen Einwohnern ohne Bachelorabschluss gegenüber 2024 um rund 15 Prozentpunkte zugunsten der Demokraten.
Besonders ausgeprägt war die Verschiebung laut der veröffentlichten Grafik in South Carolina mit 22,7 und North Carolina mit 22,3 Prozentpunkten. In Kansas waren es 18,8 Punkte und in Iowa 17,3 Punkte. Auch in Texas und Ohio fiel die Veränderung mit 16,7 beziehungsweise 16,6 Punkten deutlich aus. Die Grafik beruht auf dem Auszählungsstand von 0.19 Uhr US-Ostküstenzeit. In diesen Bundesstaaten eroberten die Demokraten Senatssitze von den Republikanern.
Damit kehrte sich die Entwicklung der vergangenen Präsidentschaftswahl deutlich um: Zwischen 2020 und 2024 hatten sich diese Regionen noch zugunsten der Republikaner verschoben. Der jetzige Ausschlag in Richtung Demokraten ist der Zeitung zufolge mehr als viermal so groß wie die damalige Bewegung in die Gegenrichtung. Die Auswertung beschreibt allerdings regionale Veränderungen und nicht unmittelbar das Wahlverhalten einzelner Bevölkerungsgruppen.
Trotz der deutlichen Verschiebung blieben weiße Wähler ohne Hochschulabschluss mehrheitlich bei den Republikanern. In dieser Gruppe erreichten republikanische Kandidaten laut „New York Times“ 59 Prozent, die Demokraten 40 Prozent. Der Stimmenabstand verschob sich gegenüber 2024 allerdings um 14 Prozentpunkte zugunsten der Demokraten. Die Gruppe stellte demnach 39 Prozent der Wählerschaft.
Mehr Kontrolle durch den Kongress
Über einzelne Wählergruppen hinaus zeigt die AP-Befragung einen ausgeprägten Wunsch nach einem Gegengewicht zum Präsidenten. Rund 70 Prozent der Wähler finden, der Kongress tue zu wenig, um die Präsidentschaft zu kontrollieren. Diese Ansicht vertritt auch die große Mehrheit der parteipolitisch Unabhängigen und etwa 40 Prozent der Republikaner.
Etwa 40 Prozent der Befragten wollten mit ihrer Kongresswahl ausdrücklich Opposition zu Trump zeigen. Knapp 20 Prozent wollten ihn unterstützen, für rund 40 Prozent spielte der Präsident bei der Entscheidung keine Rolle. Insgesamt lehnen etwa 60 Prozent seine Amtsführung ab.
Ein Makel für die Demokraten bleibt
Dabei ist die Hinwendung zu demokratischen Kandidaten nicht mit großer Begeisterung für deren Partei gleichzusetzen. Laut AP beurteilt knapp die Hälfte der Wähler die Demokraten positiv, bei den Republikanern sind es etwa 40 Prozent. Die Demokraten profitieren damit von Trumps Schwäche, ohne selbst eine breite Zustimmung zu genießen.
Für die AP-Umfrage befragte das Institut SSRS rund 80.000 Wähler in allen 50 US-Bundesstaaten. Die Befragung lief vom 22. Oktober bis 3. November 2026, in Alaska bereits ab dem 19. Oktober. Die statistische Fehlertoleranz beträgt für die Gesamtstichprobe plus/minus 0,6 Prozentpunkte.
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