Kurz vor Beginn der Koalitionsverhandlungen in Berlin wächst die Ablehnung eines rot-grün-roten Bündnisses. In einer Insa-Umfrage für „Bild“ finden 52 Prozent der Befragten es (eher) schlecht, dass SPD und Grüne mit der Linken regieren wollen – sechs Punkte mehr als in der Vorwoche. Knapp die Hälfte hält es zudem für falsch, dass Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin werden will.
Für das Bündnis sprechen sich 32 Prozent aus, ein Punkt mehr als vor einer Woche, 16 Prozent sind unentschieden. Eralps Anspruch auf das Rote Rathaus halten 49 Prozent für (eher) falsch, 26 Prozent für (eher) richtig. Die Hälfte der Befragten glaubt außerdem, dass Clans und organisierte Kriminalität (eher) großen Einfluss auf die Berliner Linke haben. 26 Prozent sehen geringen oder keinen Einfluss.
Insa befragte am Donnerstag und Freitag insgesamt 1002 Personen, also vor dem Parteitag der Linken, bei dem am Samstag mit klarer Mehrheit für die Koalitionsgespräche mit SPD und Grünen gestimmtwurde. Im ZDF-„Politbarometer“ hatten vor gut einer Woche bundesweit 56 Prozent eine Linken-geführte Regierung in Berlin schlecht gefunden.
Eralp wies auf dem Parteitag am Samstag Zweifel an ihrer Eignung zurück. „Ich werde nicht aufgeben“, sagte sie. Die Angriffe auf sie und die Berliner Linke hätten „jedes Maß verloren“. Manche würden nun behaupten, sie könne Berlin nicht schützen, das Gegenteil sei der Fall. Linken-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner sprach von einer „beschämenden Kampagne“.
Auslöser ist ein „Spiegel“-Bericht über interne Notizen Eralps, die versehentlich an das Magazin gelangt waren. Darin schrieb sie demnach, sie und ihr Mann hätten „Angst vor diesen Leuten“. Anlass war eine Frage zu dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim, der laut dem Verein Democ für die palästinensische PFLP aktiv ist. EU und USA stufen die Gruppe als Terrororganisation ein.
Die Linke hatte die Abgeordnetenhauswahl am 20. September gewonnen. Die Verhandlungen mit Grünen und SPD sollen am Montag beginnen.
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