Die Schülerproteste in Frankreich werden auch von massiven Ausschreitungen überschattet, am Reformationstag kam es erneut in den Straßen von Paris und anderen Städten zu Vandalismus und Gewalt gegen Polizisten. Während die Bilder aus dem Nachbarland vielen in Deutschland als mahnendes Beispiel dienen, wie schnell legitime Proteste zu Straßenschlachten eskalieren können, dienen sie anderen als Inspiration.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Luke Hoß befindet sich aktuell in Frankreich, um von der Protestbewegung zu lernen. „Meine Generation wurde in eine kaputte Welt geboren“, sagte er gegenüber der tagesschau.

Darum traf sich Hoß am Reformationstag in Paris mit linken Aktivisten und mischte sich unter die Schülerproteste in Paris. „Ich bin Luke und ich habe kein Problem damit, wenn die Jugend in Frankreich der Regierung die Hölle heißmacht“, sagt der Bundestagsabgeordnete der Linken in Storys, die er auf Instagram hochgeladen hat. Zu sehen ist unter anderem auch Seydou Simbo Ba. Der 17-Jährige ist Schüler und Aktivist der Jugendorganisation von La France insoumise (LFI), der linkspopulistischen Partei von Jean-Luc Mélenchon.

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„Statt über die wichtigen und richtigen Forderungen zu sprechen, wird seit Wochen nur darüber gesprochen, dass es vermeintlich Gewalt geben soll“, beklagt Hoß. „Es muss darum gehen, wie wir endlich eine Zukunft bekommen können, in der wir ein gutes Leben haben, in der es keine Klimakrise, keinen Faschismus, keine Kriege gibt, in der wir friedlich und solidarisch miteinander leben können.“

Seine Generation halte zusammen, bekräftigt Hoß. „Sie geht auf die Straße und kämpft für ein besseres Leben, dass man von zu Hause ausziehen kann, dass man im Supermarkt keine Angst mehr vor der Kasse haben muss.“

Ein weiteres Video zeigt ihn auf dem Weg zu den Schülerprotesten in Paris. „Ich bin echt extrem gespannt, wie sich der Tag heute entwickelt, weil viele der Demos und Versammlungen verboten wurden“, erzählt er. „Also Protest pauschal zu verbieten oder mit unbegründeten Gewaltvorwürfen – wie in Deutschland gerade – zu delegitimieren, weil er einem nicht in den Kram passt, das geht einfach gar nicht.“

Luke Hoß auf der Schülerdemo in Paris

Auf der angekommen, meldet sich Hoß erneut. „Also, ich fand es total krass, wie vielfältig diese Proteste sind. Menschen aus allen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen kommen hier zusammen. Und sie verbinden die Kämpfe.“ Wenn beispielsweise die Gewerkschaften streiken, seien die Schüler mit dabei. „Jetzt sind die Schüler auf der Straße und die Gewerkschafter kommen natürlich auch, genauso wie die Klimakids, die Studis.. also, es ist total schön, weil alle hier die Probleme als gemeinsame Probleme begreifen“, sagt er.

„Das nur der erste Schritt“, kündigt „Gen Z regelt“ an

Die Initiative „Gen Z regelt“ hat unterdessen ein positives Fazit der bundesweiten Jugendproteste in Deutschland gezogen. „Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen“, sagte ein Sprecher vom Presseteam der Initiative, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. Kurz vor 20.00 Uhr sprach er von mehr 100.000 Teilnehmern, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen.

Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. „Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“, sagte Amadeo der Deutschen Presse-Agentur.

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