Markus Lanz ist der Dieter Bohlen der Talkshows. Das zeigt sich in der aktuellen Sendung besonders gut. Und das darf man auch mal so sagen, denn immerhin stellt Lanz einen seiner Gäste, den SPD-Politiker Krach, als jemanden vor, dessen gutes Aussehen ihn dazu prädestiniere, in einer Vorabendserie mitzuspielen. So habe er ja momentan gewissermaßen auch die Hauptrolle in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ inne.
Wer die Show nicht wegen der Gäste (SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach, Bundesbildungsministerin Karin Prien, u. a.) oder des Themas (Regierungskoalition und Bildungskrise) anschaltet, der schaut sie, um dem Moderator beim genüsslichen Zerpflücken der eingeladenen Polit-Prominenz zuzusehen – so wie viele damals „DSDS“ eher wegen Bohlens kreativer Beleidigungen als wegen des Gesangstalents der Kandidaten geschaut haben.
In der aktuellen Folge häufen sich die verbalen Spitzen, die Lanz besonders konzentriert im Duell mit SPD-Politiker Krach abfeuert. „Sie wollen sich doch auch selbst ernst nehmen, Herr Krach – und ich nehme Sie auch ernst. Aber so kann ich das nicht“, teilt Lanz aus. Oder: „Waren Sie überhaupt irgendwas?“ Und so sehr sich Krach auch bei der Frage nach einer Zusammenarbeit mit der wegen Antisemitismus-Vorwürfen in der Kritik stehenden Linken-Politikerin Vanessa Emde windet, lässt Lanz nicht locker. Vanessa Emde hatte das Existenzrecht Israels im Wahlkampf indirekt infrage gestellt.
Irgendwann dann nimmt Krach tief Luft und sagt betont langsam: „Wenn Frau Emde weiterhin Mitglied der Fraktion ist, dann haben wir ein schwerwiegendes Problem.“ Doch auch das lässt Lanz nicht gelten: „Was ist genau ein schwerwiegendes Problem?“ Auf Krachs Verteidigung, dass er doch „eine klare Position dazu“ habe, kontert der Moderator: „Sie haben gerade mit maximaler Unklarheit versucht, etwas Klares zu sagen.“
„Wenn Frau Emde drin ist, sind Sie raus?“, hakt Lanz mindestens viermal nach und will Krach zu einer eindeutigen Antwort bewegen. Aber von dem Politiker kommen nur Andeutungen zurück: Die SPD werde mit Frau Emde nicht zusammenarbeiten. Wörtlich sagt er: Wenn Emde Teil der Linksfraktion bleibe, „gehe ich nicht davon aus, dass diese Koalition zustande kommt“.
„Wenn Leute das zu Hause sehen, die lachen sich entweder kaputt oder wenden sich mit Grausen ab“, argumentiert Lanz hinsichtlich der vagen Aussagen Krachs. „Das ist traurig“, wirft auch Karin Prien kopfschüttelnd ein.
Lanz vermutet, dass sich ein Teil der Politikverdrossenheit aus genau solchen Situationen speise: Dass jemand vorher etwas anderes sagt, als er später tut. Zahlreiche Nachfragen später hat Lanz Krach dann so weit: „Dann werden wir keine Koalition haben“, sagt der. Das Wörtchen „vermutlich“, mit dem Krach diese Aussage noch kurz zuvor abgeschwächt hatte, fehlt diesmal. „10 Minuten später sind wir auch schon so weit“, freut sich Lanz. „Hab ich doch von Anfang an gesagt“, insistiert Krach. Lanz lacht.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke