Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Angaben des Kremls seine grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Gesprächen mit den USA und der Ukraine erklärt. Das habe Putin dem US-Sondergesandten Steve Witkoff mitgeteilt, sagte Präsidentenberater Juri Uschakow am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Als möglichen Zeitpunkt nannte Uschakow „um den 10. November“. Im Mittelpunkt solle der Aufbau eines „Sicherheitssystems“ für Russland und die Ukraine nach dem Ende des Krieges stehen. Witkoff habe daraufhin erklärt, eine solche Entscheidung werde von US-Präsident Donald Trump „zweifellos mit großer Zufriedenheit aufgenommen“, sagte Uschakow. Zugleich kündigte Moskau erste Diesellieferungen an die USA an und meldete die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard.

Witkoff übergibt Dokumente für Ukraine-Friedensabkommen

Witkoff traf am Mittwoch zu Gesprächen mit Putin in St. Petersburg ein. Nach eigenen Angaben legte er ihm Vorschläge für ein Friedensabkommen vor. Er habe „einige Dokumente“ und „Ideen“ mitgebracht, sagte Witkoff bei dem Treffen.

Das rund dreistündige Treffen von Witkoff mit Putin fand im Petersburger Konstantinpalast statt. Die einleitenden Worte wurden im russischen Staatsfernsehen übertragen. Witkoff dankte Putin für die Freilassung des 75-jährigen US-Amerikaners: „Sie sprechen so oft davon, dass Präsident Trump ein Menschenfreund ist. Auch Sie sind ein Menschenfreund, Herr Präsident, und dafür zolle ich Ihnen meinen Respekt. Ich spreche Ihnen meine Anerkennung aus.“

Witkoff betonte, es gebe derzeit ein Momentum für die Beendigung des Krieges. Er hoffe auf konkrete Schritte für einen Friedensprozess. Putin könne die Vorschläge „in aller Ruhe“ lesen. Inhalte der neuen Vorschläge sind bisher nicht bekannt.

Putin selbst dankte zum Auftakt des Treffens US-Präsident Donald Trump erneut, dass er sich um eine Beendigung des Ukraine-Krieges bemühe. Mit am Verhandlungstisch saßen auch Putins außenpolitischer Berater Uschakow und sein Beauftragter für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew. Der Kremlchef sagte, dass Russland an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA interessiert sei. Nach dem Treffen mit Putin wird Witkoff nun erneut in Oslo erwartet, um von Putins Reaktion zu berichten.

US-Amerikaner kommt frei

Das Treffen am Mittwoch war die neunte persönliche Begegnung zwischen Witkoff und Putin. Es begann mit einer Geste des guten Willens von russischer Seite: der Freilassung des inhaftierten US-Bürgers Hubbard.

US-Präsident Trump hatte Putin um die Freilassung gebeten. Der Lehrer im Ruhestand war im Oktober 2024 in Moskau wegen angeblichen „Söldnertums“ für die Ukraine zu einer Haftstrafe von fast sieben Jahren verurteilt worden.

Die Inhaftierung Hubbards durch Russland war nach dem Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 zunächst geheimgehalten worden. Nach mehr als zweijähriger Inhaftierung wurde er dann vor Gericht gestellt. Die russischen Ermittler gaben an, der frühere Lehrer sei einem ukrainischen Verteidigungsbataillon beigetreten und habe dafür „mindestens tausend Dollar“ Sold pro Monat erhalten. Er selbst bestritt die Vorwürfe.

US-Bürger Stephen Hubbard vor Gericht in Moskau 2024

Trump lobte die Freilassung des Mannes. „Für diese Freilassung war kein ‚Austausch‘ erforderlich“, teilte Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social mit. Die USA hätten keine Gegenleistung erbringen müssen. Hubbard sei auf dem Weg in die USA.

Am Mittwoch hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Festnahme eines deutschen Staatsangehörigen gemeldet, der aus den ukrainischen Streitkräften geflüchtet sein soll. Er sei als ausländischer Söldner und Scharfschütze desertiert, nachdem er das versprochene Geld nicht erhalten habe, teilte der FSB nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Es werde über die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Söldnertums entschieden, hieß es. Der Mann soll laut dem Bericht von 1996 bis 2010 in der Bundeswehr gedient haben.

Russland kündigt erste Diesellieferung in die USA an

Ein Fortschritt bei der Beilegung des Krieges ist dem Kreml zufolge „theoretisch möglich“. Russland prüfe die US-Vorschläge, vieles hänge jedoch von der Ukraine ab, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Präsidialamt in Moskau. Sollte Kiew nicht die notwendigen Entscheidungen ​treffen, werde sich die Lage für das Land verschlechtern.

Derweil kündigte Moskau die erste Dieselverschiffung in die USA für Donnerstag an. „Dieser Tanker wird eine Ladefähigkeit von 40.000 Tonnen haben“, sagte Vize-Regierungschef Alexander Nowak vor Journalisten. Der Anfang Oktober zwischen Trump und Putin geschlossene Deal hatte international scharfe Kritik ausgelöst.

Putin schlug Witkoff außerdem erneut ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump in China vor. Der Kreml hatte die Möglichkeit eines Dreiertreffens zwischen Putin, Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des Apec-Gipfels im kommenden Monat ins Spiel gebracht. Es gebe dafür jedoch noch keine konkrete Agenda, teilte das Präsidialamt mit.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte klar, dass eine Aufgabe der Ukraine keine Option sei. Deutschland und die Europäer seien aber jederzeit zu Gesprächen bereit, sagte Merz in Berlin. „Wir leisten der Ukraine keine Unterstützung, um diesen Krieg in die Länge zu ziehen“, betonte der Kanzler. „Aber eine Kapitulation – oder gar eine bedingungslose Kapitulation der Ukraine – kommt nicht infrage. Denn das wäre eine Kapitulation von uns allen.“ Deshalb werde man die Ukraine im eigenen Interesse weiter unterstützen.

Selenskyj zum Einfrieren der Front im Ukraine-Krieg bereit

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete ein Einfrieren der Frontlinie im Krieg mit Russland als einen möglichen ersten Schritt für eine Waffenruhe. „Wir müssen sie jetzt einfrieren“, sagte Selenskyj in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender Fox News. Dies sei der Weg, „um diesen Krieg zu beenden“ und „das Minimum, was wir heute von Russland erwarten“.

Selenskyj antwortete damit auf die Frage, ob er einen Friedensschluss akzeptieren würde, der die Front an ihren derzeitigen Linien nach der Invasion Russlands einfrieren würde. Selenskyj fügte hinzu: „Natürlich würden wir uns anschließend an den Präsidenten und an die Europäer wenden und sie um Sicherheitsgarantien bitten.“

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