US-Präsident Donald Trump hat das Scheitern des russischen Angriffs auf Kiew zu Beginn der groß angelegten Invasion mit einer irreführenden Darstellung erklärt. Im Weißen Haus behauptete er am Dienstag, ein einzelner russischer General habe durch eine falsche Abzweigung einen praktisch sicheren militärischen Sieg vertan. Zugleich erhöhte Trump den Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, einem Abkommen mit Russland zuzustimmen.
Nach Trumps Darstellung hätten rund 1000 russische Panzer auf einer befestigten Straße innerhalb weniger Stunden ihr Ziel erreichen können. „Der Krieg wäre an einem Tag vorbei gewesen“, behauptete er. Ein „sehr dummer General – ich habe keine Ahnung, wer er ist. Ich bezweifle, dass er noch unter uns ist, ich bezweifle, dass er noch lebt“ – habe jedoch entschieden, die Straße zu verlassen und über Äcker in Richtung Kiew vorzurücken.
Dort seien die Fahrzeuge nach außergewöhnlich starken Regenfällen im Schlamm stecken geblieben. „Sie konnten weder vorwärts noch rückwärts, sie saßen vollkommen fest“, sagte Trump. Anschließend hätten ukrainische Soldaten die Panzer mit amerikanischen Javelin-Panzerabwehrwaffen angegriffen. „Das ist die Panzerabwehrwaffe, die ich ihnen gegeben habe“, betonte der US-Präsident.
Militäranalysen zeichnen ein anderes Bild
Die Erklärung, der Angriff sei an der falschen Abzweigung eines einzelnen Generals gescheitert, wird durch die militärischen Untersuchungen nicht gestützt. Satellitenfotos zeigten zu Beginn der russischen Vollinvasion 2022 eine Kolonne russischer Militärfahrzeuge, die sich über mehr als 60 Kilometer nördlich von Kiew erstreckte.
Eine Untersuchung der US-Denkfabrik RAND nennt schlechte Logistikplanung und die Unterschätzung des ukrainischen Widerstands als wesentliche Ursachen russischer Probleme. Den Truppen seien früh wichtige Versorgungsgüter ausgegangen. Hinzu kamen Mängel bei Wartung und Nachschub.
Eine Analyse des britischen Royal United Services Institute (RUSI) beschreibt grundlegende Planungs- und Führungsfehler. Russland habe auf eine schnelle Einnahme Kiews gesetzt, seine Truppen aber auf taktischer Ebene unzureichend vorbereitet. Eine zentrale Schwäche sei das Fehlen von Ausweichplänen gewesen, als der schnelle Erfolg ausblieb.
Dass russische Panzer auch auf befestigten Straßen keineswegs ungehindert vorrücken konnten, zeigte etwa ein ukrainischer Hinterhalt bei Browary östlich von Kiew im März 2022. Drohnenaufnahmen zeigen eine auf einer Hauptstraße zusammengedrängte russische Panzerkolonne, die unter ukrainischem Artilleriebeschuss geriet und sich mit schweren Verlusten zurückziehen musste.
Trump fordert Selenskyj erneut zu einem Abkommen auf
Trump nutzte seine Darstellung des Kriegsbeginns zugleich, um seine eigene Unterstützung für die Ukraine hervorzuheben und neue Forderungen an Kiew zu richten. „Ich habe der Ukraine sehr geholfen. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie diesen Krieg beenden und verhindern, dass all diese jungen Menschen getötet werden“, sagte er.
Russland beschrieb der US-Präsident als „große Maschine“, die immer weiter vorrücke. Die Ukraine müsse einen Abschluss wollen. „Wir wollen, dass Selenskyj einen Deal macht“, erklärte Trump. Sollte der ukrainische Präsident dazu nicht bereit sein, werde es seiner Ansicht nach „sehr schlecht ausgehen“.
Zugleich äußerte Trump die Einschätzung, Russland wolle den Krieg beenden. Als wesentlichen Grund für das Ausbleiben einer Einigung nannte er den persönlichen Hass zwischen Putin und Selenskyj.
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