An diesem Freitag jährt sich der Tod eines der berüchtigtsten Terroristen aller Zeiten zum zweiten Mal. Am 16.10.2024 gelang es israelischen Soldaten im Gazastreifen, Yahya Sinwar zu töten, den Anführer der Terrororganisation Hamas. Seine Eliminierung gilt als großer militärischer und symbolischer Erfolg der israelischen Streitkräfte (IDF). Denn Sinwar war der Haupt-Verantwortliche für das Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023, dem größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust. Jetzt soll ein offenbar authentischer Brief von Sinwars damals zehnjährigem Sohn Ibrahim verstörende Einblicke in die Erziehungsmethoden des Terror-Chefs ermöglichen. Ibrahim schickte den Brief noch vor dessen Tod an seinen Vater. Der Inhalt zeigt, dass Ibrahim Sinwar von Kindesbeinen an der Hass auf Juden beigebracht wurde. Der Brief liegt WELT exklusiv vor. Darin heißt es wörtlich:

„Ich, Ibrahim

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Geliebter Vater, ich vermisse dich sehr! Ich möchte dich umarmen und dich siegreich sehen. Ich möchte „Allahu akbar“ (Allah ist am größten) rufen, eine Kalaschnikow in die Hand nehmen und auf Juden schießen.

Wann kommst du zurück und schläfst wieder mit mir im Arm?“

Dem Brief sind Zeichnungen von Ibrahim beigefügt. Darauf sind unter anderem ein Panzer mit hebräischen Schriftzeichen, bewaffnete Kämpfer, Raketen und eine offenbar militärische Grenzanlage zu sehen. In dem Brief heißt es weiter:

In meiner Freizeit bastle ich Pistolen, Panzer und Kalaschnikows aus Papier und Pappe.

Oh Herr, möge der Krieg enden und ich dich wohlbehalten wiedersehen.

Möge Allah dich beschützen, Vater. Ich möchte, dass du für mich betest.

Friede sei mit dir sowie Allahs Barmherzigkeit und sein Segen.“

Der Brief wurde nach Recherchen von WELT von israelischen Soldaten in einem Gebäude in Rafah gefunden, jenem Ort im südlichen Gazastreifen, in dem Yahya Sinwar getötet wurde. Auf Anfrage von WELT erklärt eine Sprecherin der israelischen Streitkräfte: „Auch zwei Jahre nach der Tötung von Yahya Sinwar prägt die mörderische Ideologie, die er propagierte, weiterhin den Gazastreifen. Der Brief und die Zeichnungen verdeutlichen, wie sich Sinwars mörderische Ideologie in der Erziehung seiner Kinder widerspiegelt. Sie zeigen, welchen Einfluss die von der Hamas propagierten Werte des Hasses und der Gewalt auf die junge Generation im Gazastreifen haben.“

Der bekannte Islamismus-Experte und Buchautor Ahmad Mansour hält den Brief für authentisch. Mansour ist selbst arabisch-palästinensischer Herkunft und erklärt gegenüber WELT: „Das entspricht nicht nur den Erziehungsmethoden der Hamas, sondern ist auch in Teilen der palästinensischen Gesellschaft, insbesondere im Gazastreifen, tief verankert. Der Hass auf Juden – wohlgemerkt: Er spricht nicht von Israelis, sondern von Juden – und die Tötung von Juden wird so lange normalisiert, bis selbst kleine Kinder davon träumen.“

Der Psychologe und Autor Ahmad Mansour

Auch Professor Danny Orbach, Militärhistoriker an der Hebräischen Universität Jerusalem, ist „nahezu sicher“, dass der Brief echt ist. Seine Einschätzung: „Der Brief zeigt deutlich den bizarren Todeskult unter den Hamas-Führern, den überzeugten Hamas-Aktivisten und ihren Familien.“

Wie WELT bei Recherchen im Gazastreifen erfuhr, rekrutiert die Hamas, die durch Israels Kampf gegen den Terror geschwächt ist, inzwischen auch Minderjährige. Islamistische Gewaltideologie und Judenhass sind im Gazastreifen sogar schon in der Gedankenwelt von Kindern ausgeprägt. Das belegen auch Augenzeugenberichte vom 7. Oktober 2023. Alon Gat, der gemeinsam mit seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter von Hamas-Terroristen entführt wurde, erinnert sich an die Begegnung mit einem Kind, das vom Gazastreifen aus in den Kibbuz Be´eri gelaufen war, um zu plündern: „Der Junge war etwa zwölf Jahre alt. Ich bin mir sicher, dass er zuvor die Leichen gesehen hatte. Er sah mich und meine Tochter an, und ich sah ihn an. Und ich konnte in seinen Augen keinerlei Mitgefühl erkennen. Die Menschen waren ihm völlig egal.“

Jan Philipp Burgard ist Axel Springer Global Reporter für den Nahen Osten.

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