Im Intro zur Sendung von „ZDF Magazin Royale“ vom 2. Oktober schnallt sich Jan Böhmermann einen weißen Helm auf, steigt auf eine blaue Simson und fährt los. Eine ländliche Gegend zieht vorbei, ein Spaziergänger führt seinen Schäferhund aus. Idylle. Selbstzufrieden grinsend fährt der Satiriker auf dem Moped durch einsame Straßen.
Doch dann – nach etwa 20 Sekunden – schießt plötzlich von rechts ein Lastwagen ins Bild und rammt den Fahrer. Der Schriftzug „taschenschwanz24.de“ prangt auf der Plane, dazu der Slogan „Gönn Dir“. Der Lkw-Fahrer hält aber nicht an, um dem am Boden Liegenden zu helfen. Nein, er setzt noch mal zurück und überrollt den Mopedfahrer ein zweites Mal – so, als ob er ganz sicher gehen wollte, dass er den Fahrer wirklich getroffen hat.
Mit diesen Szenen aus der Folge vom 2. Oktober 2026 hat sich Böhmermann erneut Ärger eingehandelt. Wie das ZDF mitteilte, gingen wegen der Sendung Programmbeschwerden „im unteren dreistelligen Bereich“ ein, berichtet die „Mitteldeutsche Zeitung“. Die Sendung ist allerdings weiterhin abrufbar in der Mediathek.
Denn die Szene wird als Anspielung auf den AfD-Politiker Ulrich Siegmund verstanden. Die blaue Schwalbe gilt als sein Markenzeichen, mit der er im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt regelmäßig unterwegs war. Der spätere Wahlsieger hatte das DDR-Moped als Teil seiner öffentlichen Inszenierung eingesetzt, um ostdeutsche Authentizität und Nahbarkeit zu demonstrieren.
Die Kritik in den Beschwerden richte sich laut ZDF demnach vor allem gegen die Darstellung, dass die mutmaßliche Siegmund-Figur von einem Lastwagen überrollt wird, heißt es weiter.
Anfang September 2026: Der damalige AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit seiner Ehefrau Julia auf der SchwalbeSiegmund selbst sprach von „Gewaltfantasien niederträchtigster Art“. Die Anspielung auf seine Person sei aus seiner Sicht unübersehbar. „Wünscht sich Herr Böhmermann hier meinen Tod? Wenn ja, ist das nicht mehr als Satire abzutun – es ist ein neuer Tiefpunkt“, wird Siegmund von der „Mitteldeutsche Zeitung“ zitiert.
Kritik kam auch von FDP-Generalsekretär Martin Hagen, der die Darstellung auf der Plattform X als „moralisch völlig enthemmt“ bezeichnete. Man müsse keine Sympathien für die AfD haben, „um das abzulehnen“, erklärte er. „Ein rechter TV-Clown belustigt sein Publikum mit Mordfantasien gegen nen linken Politiker. Wie lange würde der ÖRR den wohl durchfüttern?“
Und der Medienjournalist Peter Welchering sprach von einer „Visualisierung einer Gewaltfantasie“. Diese widersprechen dem Programmauftrag des ZDF und den entsprechenden Staatsverträgen.
Das ZDF selbst will einen Zusammenhang zwischen Siegmund und dem Böhmermann-Clip jedoch nicht sehen. „Das Gefährt kam im Laufe der Sendung immer wieder vor“, zitiert die „Mitteldeutsche Zeitung“ eine Sprecherin, „ohne auf bestimmte Personen Bezug zu nehmen, darunter auch im sogenannten Cold Opener zu Staffelbeginn.“
Die Kontroverse fällt in die letzten Monate des „ZDF Magazin Royale“. Das Format soll im Dezember nach insgesamt 187 Ausgaben eingestellt werden. Das ZDF hatte die Zusammenarbeit mit Böhmermann zuletzt nur um ein weiteres Jahr verlängert. Nach Angaben des Senders laufen jedoch Gespräche über mögliche neue Projekte mit dem Satiriker.
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