Nach dem Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt wollen die Vorsitzenden dreier Fraktionen im Landtag enger zusammenarbeiten. Im Gespräch mit der „Zeit“ kritisieren Eva von Angern (Linke), Katja Pähle (SPD) und Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) den Auftritt der AfD und räumen zugleich Fehler der eigenen Parteien ein.
Die konstituierende Sitzung des Landtags sei ein „beschissener Tag“ gewesen, sagte Pähle im Interview. Zuvor waren der AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten und Hans-Thomas Tillschneider zu dessen Stellvertreter gewählt worden.
Von Angern beklagte, das Bündnis demokratischer Parteien sei zerbrochen. „Einige aus der CDU haben es zu Grabe getragen“, sagte sie mit Blick auf die mutmaßliche Unterstützung Rauschs durch Unionsabgeordnete.
Angst vor der AfD habe sie nicht, betonte die Linken-Politikerin: „Diesen Männern sind wir intellektuell überlegen, die können uns nicht das Wasser reichen.“ Außerhalb des Parlaments schaffe die Partei allerdings „ein Klima der Feindseligkeit“.
Sziborra-Seidlitz warnt: Die AfD sei keine normale demokratische Partei und wolle an vielen Stellen am Parlament vorbei Politik machen. Ziel sei es, die gröbsten Fehler zu verhindern und Einfluss zu gewinnen.
Die drei Politikerinnen wollen ihre Oppositionsarbeit künftig besser koordinieren. „Wir haben sogar so Revolutionäres wie eine gemeinsame Chatgruppe“, sagte von Angern der „Zeit“. Sie trägt den Namen „R2G“ (rot-rot-grün) und trägt zwei rote und ein grünes Herz-Emoji.
„Wenn jemand ‚fette grüne Kuh‘ über mich schreibt, macht das etwas mit mir“
Zugleich räumten die Frauen ein, dass ihre Parteien Wähler verloren haben. Materielle Sorgen allein erklärten den Erfolg der AfD nicht, sagte Pähle. Sziborra-Seidlitz zufolge habe die AfD viele Menschen emotional erreicht und ein Lebensgefühl vermittelt.
„Moped, Freibier, Bratwurst – dabei haben viele Menschen Zusammengehörigkeit gespürt“, sagte die Grünen-Politikerin im Interview. Außerdem sei Siegmund ein guter Verkäufer.
Auch die geringe Zahl von Frauen im neuen Landtag bereitet ihnen Sorge. Mit knapp 22 Prozent liegt der Frauenanteil so niedrig wie in keinem anderen deutschen Landesparlament. Von Angern sieht darin ein gesellschaftliches Problem: „Frauen sollen unsichtbar gemacht werden.“ Besonders im Internet seien Politikerinnen zunehmend Hass und Drohungen ausgesetzt, ergänzte Sziborra-Seidlitz. „Wenn jemand ‚fette grüne Kuh‘ über mich schreibt, macht das etwas mit mir“, erzählt sie weiter.
Ob Frauen die Demokratie retten können? Von Angern jedenfalls zeigt sich entschlossen: „Charmante These! Ich bin dabei.“
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