Im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main ist am Sonntag erstmals der mit 12.000 Euro dotierte Georg-Stefan-Troller-Preis verliehen worden. Das Preisgeld teilen sich der WELT-Journalist Nicholas Potter, Thorsten Schmitz von der „Süddeutschen Zeitung“, die beiden Buchautoren Mascha Malburg und Joshua Schultheis sowie die beiden Hörspiel-Autoren Sharon On und Dirk Laucke.
Eine lobende Erwähnung erhielt Anetta Kahane, Gründerin der Amadeu-Antonio-Stiftung, für ihre Kolumnen in der „Frankfurter Rundschau“.
Geehrt wurden journalistische Arbeiten die, „jüdisches Leben in der Gegenwart sichtbar machen, differenziert darstellen und zum Verständnis jüdischer Lebensrealitäten im deutschsprachigen Raum und weltweit beitragen“. Die Laudatio hielt der CDU-Politiker und frühere Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet.
Laschet warnte vor einer neuen, gefährlichen Mischung aus rechtem, linkem, akademischem und arabisch geprägtem Antisemitismus. Dieser sei geeignet, die ganze Gesellschaft zu vergiften, so der CDU-Politiker.
16-köpfige Jury entschied über die Preisträger
Laschet zeigte sich über den Aufstieg der AfD in Sachsen-Anhalt sowie antisemitische Ausfälle in der Berliner Linken erschüttert. Zugleich äußerte er sich zu den Folgen des Überfalls der Terrororganisation Hamas. Seit dem 7. Oktober 2023 sei „das Zusammenleben hier in Deutschland und der Kampf gegen Antisemitismus schwieriger geworden als zuvor“.
Der Georg-Stefan-Troller-Preis wird von einer 16-köpfigen Jury vergeben, die sich aus Mitgliedern der FAZIT-Stiftung (der Mehrheitsgesellschafterin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“) sowie des Jüdischen Journalistenverbands JJJ zusammensetzt.
Geehrt wurden die Autoren:
- Nicholas Potter: „Die neue autoritäre Linke“ (Deutscher Taschenbuch Verlag)
- Thorsten Schmitz: „Wer ein Warum hat, erträgt jedes Wie“ (Süddeutsche Zeitung)
- Mascha Malburg/Joshua Schultheis: „Worüber Juden reden“ (Hentrich & Hentrich Verlag)
- Sharon On/Dirk Laucke: „Auch wenn es dunkel ist“ (Hörspiel, Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Eine lobende Erwähnung der Jury erhielt Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung) für ihre Kolumnen in der „Frankfurter Rundschau“.
Georg Stefan Troller (1921–2025) war ein österreichisch-amerikanischer Journalist, Schriftsteller und Dokumentarfilmer jüdischer Herkunft, der 1938 vor den Nationalsozialisten floh, später als US-Soldat an der Befreiung des KZ Dachau beteiligt war und ab 1949 in Paris lebte.
Mit Sendereihen wie dem „Pariser Journal“ und „Personenbeschreibung“ prägte er den deutschsprachigen Fernsehjournalismus. Seine einfühlsame, hartnäckige und teils sehr subjektive Interviewführung beeindruckte Generationen von Journalisten und Dokumentarfilmern. Dem Verlag Axel Springer war er seit 2021 als Kolumnist der „Literarischen Welt“ (WELT am Sonntag) verbunden.
Noch im Alter von 103 Jahren gab er Mathias Döpfner, dem Vorstandschef von Axel Springer, ein ausführliches Interview, in dem er auf sein Leben, seine jüdische Identität und seinen Glauben zurückblickte.
Ein ausführlicher Bericht über die Preisverleihung wird beim Sender Phoenix gesendet und ist anschließend auch in der ARD-Mediathek abrufbar.
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