Wortbrüche, Rhetorik, Arbeitsweise: Der ehemalige Innenminister und frühere CSU-Chef Horst Seehofer äußert scharfe Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

„Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten“, sagte er gegenüber der „Bild“-Zeitung – und forderte „mehr Tempo und deutlich weniger Selbstbeschäftigung“.

Man brauche nicht ständig neue Expertenkommissionen. „Ein Politiker, der in der Bundesliga spielt, muss selbst eine Haltung haben – beispielsweise bei der Pflege – und auf dieser Basis Lösungen in der Koalition durchsetzen“, sagte der bayerische Politiker.

Das Vertrauen in „authentisches Handeln“ sei die „wichtigste Stellgröße in der Politik“, so der CSU-Politiker gegenüber „Bild“. „Die hat Merz nicht. Wenn das Vertrauen einmal angeknackst ist und ständig neue, unerfüllte Versprechen folgen, funktioniert es nicht mehr.“ Als positives Gegenbeispiel nannte er Altkanzlerin Angela Merkel, die in der Weltwirtschaftskrise als unpopuläre Maßnahme die Mehrwertsteuer erhöht hatte. Die deutsche Bevölkerung hätte ihr das aber verziehen.

Mit Sorge blickte Seehofer auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten und warf seiner eigenen Partei vor, diese Überbelastung nicht konsequent genug zu bekämpfen. Er forderte eine „echte Entlastung“. Die Diskussionen über die Arbeitsmoral der Deutschen kritisierte er deutlich: „Aussagen, dass Deutsche zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern, verletzen die Menschen“, sagte Seehofer.

Merz’ Bemerkungen, dass in Deutschland mehr gearbeitet werden müsse und man mit einer Vier-Tage-Woche und dem Schielen auf eine „Work-Life-Balance“ keinen Wohlstand sichere, waren schon im vergangenen Jahr auf deutliche Kritik gestoßen. „Was sagen Sie damit einer Krankenschwester, die ohnehin schon Wochenend- und Nachtschichten schiebt?“, fragte Seehofer nun bei „Bild“.

Kanzler Merz befindet sich seit Monaten in einem historischen Umfragetief. Diese Woche berichtete etwa der „Spiegel“ mit Verweis auf Daten aus des Instituts „Ipsos“, dass die Mehrheit der Deutschen dessen Kanzlerschaft für gescheitert hält.

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