Außenminister Johann Wadephul (CDU) kritisiert den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), wegen eines Online-Postings zum vereitelten Anschlag auf ein Flydubai-Flugzeug auf dem Weg nach Israel. Es handele sich zwar um einen privaten Beitrag als Bundestagsabgeordneter, zitierte ein Sprecher den Minister am Montag in Berlin. Dennoch pauschalisiere die Äußerung die Situation und könne als Relativierung von Antisemitismus verstanden werden. Das sei äußerst bedauerlich.
Der Außenminister halte dies für unangebracht und falsch, so der Sprecher. In einer Zeit, in der es einen sich fatalerweise sehr breit und sehr rasant ausbreitenden Antisemitismus gebe, müsse man seine Worte sorgsam wägen.
Castellucci hatte am Samstag auf seinem X-Account auf die Frage von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), warum der Vorfall „niemanden in der Welt so richtig jucke“, geantwortet: „Weil Israel gerade seine letzten Freunde verliert. Wegen seiner rechtsradikalen Regierung und allen, die sie verteidigen.“ Daraufhin war der SPD-Politiker von vielen Seiten kritisiert worden. Prien warf ihm eine empathielose Reaktion auf den geplanten Mord an fast 200 vor allem israelischen Menschen vor. Andere sprachen von einer Täter-Opfer-Umkehr.
In einer weiteren Reaktion auf den Post der Ministerin schrieb Castellucci, „als Freund Israels und im unbändigen Sehnen nach Frieden für alle im Nahen Osten erfüllt mich mit großer Sorge, dass uns die Menschen allen Bekenntnissen und aller Erinnerungskultur zum Trotz gerade verlorengehen. Ohne Zustimmung der Bevölkerung hält keine Staatsräson.“ Und: „An unsere Freunde setzen wir eben andere Maßstäbe als an Terroristen.“
Der Flug war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs gewesen, als es zu der Attacke kam. Trotz schwerer Verletzungen konnte der Pilot die Cockpit-Tür öffnen, woraufhin Passagiere eindrangen und den Angreifer überwältigten.
Eine zweite Besatzung landete die während der Attacke stark abgesackte Maschine im saudi-arabischen Tabuk. Der Copilot wurde in die Emirate gebracht und stammt israelischen Angaben zufolge aus dem Oman.
Laut israelischen Medienberichten wollte der Mann die Maschine auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv zum Absturz bringen. „Wir wissen, dass er islamistisch-radikal indoktriniert wurde“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über den Festgenommenen.
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