Nach dem vereitelten Absturz einer FlyDubai-Maschine haben Unterstützer des Terrornetzwerks Al-Qaida laut Medienberichten zu weiteren Anschlägen auf Passagiermaschinen aufgerufen. Die US-Zeitung „New York Post“ berichtet über einen Beitrag in der arabischsprachigen Publikation „al-Bayan“, in dem die Anschläge vom 11. September 2001 ausdrücklich als Vorbild genannt werden. Dem Bericht zufolge wurde der Text zudem mit einer Darstellung illustriert, die an die Anschläge auf das World Trade Center erinnert. Als Beleg veröffentlichte das Blatt einen Screenshot der Nachricht.

Hintergrund ist der Vorfall auf dem Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate soll der 29-jährige omanische Copilot während des Fluges den Kapitän mit einer Notfall-Axt angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen. Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten den Mann überwältigen. Die Boeing 737 mit mehr als 180 Menschen an Bord wurde schließlich nach Tabuk in Saudi-Arabien umgeleitet und landete dort sicher.

Noch ist unklar, ob es sich bei dem 29‑jährigen Copiloten um einen Einzeltäter handelt. Zuletzt war bekannt geworden, dass er bei seinem alten Arbeitgeber im Oman Flugverbot erhalten hatte, nachdem er extremistische Inhalte in den sozialen Medien geteilt hatte und als Sicherheitsrisiko galt. Noch ist nicht bekannt, wie er es geschafft hat, bei seinem neuen Arbeitgeber eine Flugerlaubnis zu erhalten.

Fragen wirft auch das Verhalten der Crew nach dem Kampf ums Cockpit auf. Mehrere Passagiere berichten in der „Washington Post“, dass Crewmitglieder die Männer, die den mutmaßlichen Angreifer überwältigt hatten, aufgefordert hätten, den bereits gefesselten Copiloten wieder loszubinden. „Sie forderten uns auf, den Terroristen loszubinden – wir hatten keine Ahnung, warum“, sagte der Passagier Tzvika Manes der Zeitung. „Sie sagten, wir sollten den Terroristen freilassen – wir wurden sofort misstrauisch“, wird Manes auch von der „New York Post“ zitiert.

Auch der Passagier Daniel Schlichter schilderte einen entsprechenden Vorfall. Die Männer erklärten, sie hätten die Aufforderung abgelehnt. Schlichter sagte, ein Passagier habe den Angreifer gepackt und aus dem Cockpit gezerrt. Während dieser und andere mit dem Copiloten rangen, sei ein Mann über das Menschenknäuel hinweg in die Pilotenkanzel geeilt. „Er sprang quasi über die Männer hinweg, die den Terroristen festhielten, griff zum Steuer und begann, die Kontrolle zu übernehmen“, sagte Schlichter. „Er handelte wirklich wie ein Held. Er übernahm die Kontrolle über das Flugzeug.“

Daniel Schlichter saß vorn im Flugzeug, als Passagiere die Kontrolle über die FlyDubai-Maschine übernahmen

Dann sei der andere Pilot dazugekommen. „Sie schlossen die Tür, weil sie niemanden sonst im Cockpit haben wollten“, sagte Schlichter. Allerdings hätten weder er noch die anderen Passagiere gewusst, wer die beiden Männer waren, noch hätten sie eine Ahnung gehabt, was sie im Cockpit machten. Immerhin hätten sie den Eindruck gemacht, genau zu wissen, was sie tun mussten.

Nach Angaben der Passagiere lag der Copilot zu diesem Zeitpunkt bereits gefesselt auf dem Kabinenboden. Zwischen Teilen der Besatzung und den Männern, die den Verdächtigen bewachten, sei daraufhin ein Streit entstanden. Die Passagiere berichten, sie hätten schließlich die Bewachung des Verdächtigen übernommen und Crewmitglieder aus dem Bereich vor dem Cockpit weggeschickt.

Flydubai wollte sich laut „Washington Post“ zu den Schilderungen der Passagiere nicht äußern. Die Fluggesellschaft verwies auf die laufenden Ermittlungen und erklärte, sie unterstütze die zuständigen Behörden uneingeschränkt.

Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte am Samstag, die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass der Copilot versucht habe, eine „terroristische Tat“ zu begehen. Untersucht werden demnach weiterhin sein Motiv, mögliche Verbindungen zu extremistischen Gruppierungen sowie digitale Spuren. Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Ermittler, es gebe Hinweise auf eine islamistische Radikalisierung des Verdächtigen. Der 29-Jährige soll mit den Behörden zusammenarbeiten.

Die Aktivitäten auf seinen Social-Media-Konten, die mehrere Stunden nach dem vereitelten Anschlagsversuch veröffentlicht worden sein sollen, heizen Spekulationen darüber an, dass der verdächtige Copilot kein Einzeltäter war. In einem der Beiträge erschienen Bilder aus einem Cockpit sowie ein Foto des früheren Al-Qaida-Anführers Aiman al-Sawahiri. Unklar ist bislang, wer die Inhalte veröffentlichte. Nach Angaben von CNN wird auch geprüft, ob die Beiträge bereits zuvor zur automatischen Veröffentlichung eingeplant worden waren. Die Konten wurden später gelöscht.

Der Terrorismus-Experte Evan Kohlmann sieht laut „New York Post“ weitere Hinweise auf mögliche ideologische Bezüge zu Al-Qaida. Unter anderem sei in den Beiträgen auf den jordanischen Attentäter Humam al-Balawi verwiesen worden, der 2009 bei einem Anschlag auf einen CIA-Stützpunkt in Afghanistan sieben CIA-Mitarbeiter tötete. Ein direkter Nachweis von Verbindungen zur Terrororganisation liegt bislang jedoch nicht vor. Die Ermittlungen dauern an.

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