Seit dem Abend der Berlin-Wahl sorgt Ferat Koçak regelmäßig für Schlagzeilen. Das Aufsehen um den Bundestagsabgeordneten belastet insbesondere seinen Berliner Landesverband bei dem Versuch, mit SPD und Grünen eine Regierung in der Hauptstadt zu bilden. Zunächst wird ein Foto mit dem Hamas-Aktivisten Ibrahim Ibrahim öffentlich, später meldet sich sogar der Sohn von Clan-Boss Issa Remmo und postet Chatverläufe, in denen Koçak schreibt: „Grüße deinen Vater mit Respekt.“ Der Remmo-Clan ist in Berlin für schwere Verbrechen wie das Stehlen einer Goldmünze in einem Museum bekannt.

Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete wollte sich in dieser Lage eigentlich aus der Öffentlichkeit zurückziehen und Transparenz herstellen. Bei einer Pressekonferenz sagten die beiden Fraktionsvorsitzenden der Links-Fraktion im Bundestag, sie wollten Koçaks Bericht abwarten und dann weitere Konsequenzen beraten.

Am Mittwochabend veröffentlichte Koçak in der „Zeit“ die Chatverläufe mit dem Remmo-Sohn und wollte auch Klarheit über seine Kontakte zu Hamas-Unterstützer Ibrahim Ibrahim schaffen. Anfang dieses Jahres hatten sich Koçak und Remmos Sohn kennengelernt.

Nachdem Antifa-Mitgliedern von der Polizei Handys abgenommen worden waren, fragte Ferat Koçak auf Instagram, ob jemand ein Handy abzugeben habe. In den Kommentaren meldete sich der Sohn von Issa Remmo und Koçak begann, mit ihm zu schreiben. Er „schwört auf alles“, nicht gewusst zu haben, mit wem er es zu tun habe, so Koçak. Erst beim ausgemachten Treffen, um das Handy zu übergeben, merkte Koçak nach eigenen Angaben, mit wem er es zu tun hatte: Er kannte Issa Remmo aus den Medien.

Doch der Neuköllner Abgeordnete hält den Kontakt zur Familie Remmo aufrecht. Eine Hochzeitseinladung von Remmos Sohn lehnte er nur ab, weil er krank sei – und schrieb Remmo: „Ich küsse dein Herz, Bruder. Grüße an die Familie.“

Schon im vergangenen Jahr traf Koçak bei einer Veranstaltung der Neuköllner Linken auf den Hamas-Aktivisten Ibrahim Ibrahim. Zu dem Zeitpunkt habe er ihn nicht gekannt, gab er an. Das Foto auf der Wahlparty am 20. September sei entstanden, weil er „in dem Moment den Namen und das Gesicht von Herrn Ibrahim nicht miteinander verbunden“ habe. Koçak kündigte an, seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestages abzugeben.

Parteiinterne Konsequenzen bleiben aus

Obwohl Koçak in seinem Bericht offenlegt, dass er bewusst den Kontakt zum Remmo-Clan nicht abgebrochen und trotz mehrfachen Aufeinandertreffens den Hamas-Aktivisten Ibrahim Ibrahim nicht erkannt habe, muss der Berliner Bundestagsabgeordnete nicht mit Konsequenzen rechnen. Der Fraktionschef der Linken, Sören Pellmann, sagte „Politico“, man werde „keine weiteren Konsequenzen beraten“.

Damit kann Koçak sein Bundestagsmandat behalten und bleibt Teil der linken Bundestagsfraktion. „In einer der nächsten Sitzungen“ werde man klären, in welchem Ausschuss er zukünftig arbeiten und wer auf Koçak im Innenausschuss folgen solle. Zuvor schrieben seine Parteichefs in einer internen Nachricht, die WELT vorliegt, dass Parteimitglieder sich mit Äußerungen zu Koçak zurückhaltend verhalten sollen. Die Linke-Vorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano erklärten, Koçak stehe „aber außerhalb des Verdachts von Organisierter Kriminalität“.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke