Investoren und große Immobilienkonzerne aus aller Welt blicken nach dem Wahlsieg der Linken mit Sorgen auf die deutsche Hauptstadt. Die Partei strebt in Berlin die Enteignung großer Wohnungskonzerne an. Ihr Ziel ist es, so 220.000 Wohnungen zusätzlich in kommunale Hand zu bekommen und den Mietenanstieg zu bremsen.

Die Sorge um den Standort Deutschland ist deshalb laut dem Chef des Düsseldorfer Wohnimmobilienkonzerns LEG weltweit groß. „Wenn ich in Melbourne oder in Hongkong oder in New York bei Investoren bin, lautet in den ersten zehn Minuten der Gespräche eine der häufig gestellten Fragen: Ist Deutschland inzwischen auf dem Weg in den Sozialismus?“, sagte Lars von Lackum in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Das sei etwas, was Investoren international sehr beschäftige und auf das sie eine klare Antwort erwarteten.

Klare Worte liefert unterdessen die stellvertretende Vorsitzende der Berliner Linken. In einem Instagram-Video macht sich Martha Kleedörfer über einen „Bild“-Artikel mit dem Titel „Wandern Investoren ab? Die Linke spielt mit dem Feuer“ lustig, während sie vor einem Bücherregal steht. Zu sehen ist auch eine Büste von Karl Marx.

„Niemand hat es jemals so schwer gehabt im Leben wie die armen Wohnungskonzerne hier in Berlin“, lästert die direkt gewählte Abgeordnete aus dem Wahlkreis Mitte 6. „Das könnte man zumindest meinen, wenn man den aktuellen ‚Bild‘-Artikel liest, wo dankenswerterweise auch noch mal meine Ansage an den Vonovia-Chef abgedruckt wurde: dass wir ihm nämlich seine Immobilien abnehmen werden.“ Kleedörfer blendet noch einmal ihr altes Video ein, indem sie ankündigt: „Die Linke wird ihm alles wegnehmen, was ihm lieb ist, seine Immobilien, sein Auto, seine Spielzeuge.“

Dann stellt die Co-Chefin der Berliner Linken noch einmal klar, dass die Berliner mit einer Million Stimmen beziehungsweise 59 Prozent schon 2021 bei einem Volksentscheid entschieden hätten, dass große Wohnungskonzerne vergesellschaftet werden sollen. „Und es ist eine demokratische Pflicht, dass egal welche Regierung dieses Votum auch umsetzt“, betont Kleedörfer.

Dann räumt die gebürtige Würzburgerin mit einem „Missverständnis“ auf: „In der ‚Bild‘-Zeitung steht auch: Wer über Enteignung spricht, aber gleichzeitig um privates Kapital wirbt, der handelt widersprüchlich“, sagt Kleedörfer und stellt dann klar: „Wir haben gar kein Problem damit, wenn das private Kapital, wenn die Wohnungskonzerne und wenn die Investoren endlich nach Hause gehen und uns Berlinerinnen und Berliner, unsere Wohnungen, in Ruhe lassen.“

Auch auf den Estrel-Tower, eines der wenigen aktuellen Großbau-Projekte in Berlin, geht die Linken-Politikerin ein. „Meine Güte, was regen wir Berlinerinnen und Berliner uns eigentlich auf? Wir brauchen doch keine bezahlbare 3-Zimmer-Wohnung, wenn wir ein super Luxushotel im Inneren des Estrel-Tower haben können“, höhnt sie.

Bundesregierung will Enteignung per Gesetz verhindern

Die Bundesregierung will unterdessen mit einem Gesetz verhindern, dass Bundesländer Mietwohnungsbestände von Konzernen in Gemeineigentum überführen können. „Ich vertraue in die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung und gehe davon aus, dass sie dieses Gesetz dann auch zur Umsetzung bringt“, sagt LEG-Chef von Lackum. Ob der Bund Vergesellschaftungen per Gesetz unmöglich machen kann, ist jedoch umstritten.

Die LEG-Immobilien-Gruppe ist Deutschlands zweitgrößter Privatvermieter mit rund 171.000 Wohnungen, davon 136.000 in NRW. Das Unternehmen ist im Börsensegment MDax gelistet, besitzt aber selbst keine Wohnungen in Berlin.

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