Der im Exil lebende russische Kreml-Kritiker und frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow ist nach eigenen Angaben von westlichen Sicherheitsdiensten vor einer Gefahr für sein Leben gewarnt worden.
Das schrieb er in einem am Mittwoch auf Substack veröffentlichten Beitrag. Demnach habe er einen Hinweis erhalten, in dem stand, dass sein Leben und das seines langjährigen Kollegen Ivan Tjutrin „in Gefahr ist und wir Vorsichtsmaßnahmen ergreifen sollten“. Auslöser der Warnung war demnach eine „Liste von Attentatszielen“, auf der die Namen der beiden Männer standen.
Im Jahr 2016 hatten Kasparow und Tjutrin das „Free Russia Forum“ gegründet, das sich für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte einsetzt und Anti-Kriegs-Konferenzen organisiert. Der Kreml stufte das Forum 2023 zunächst als „unerwünschte Organisation“ und 2025 schließlich als „terroristische“ Organisation ein. Die Nachricht, dass er und Tjutrin im Visier eines solchen Attentatsplans stehen, sei für Kasparow „nicht überraschend, aber dennoch ein Schock“.
Kasparows veröffentlichte seinen Beitrag, nachdem das US-Justizministerium Mitte September fünf mutmaßlichen Agenten des russischen Geheimdienstes vorgeworfen hatte, weltweit, auch in den USA, Anschläge und Morde geplant zu haben. Die Gruppe habe versucht, in diesem Sommer einen „prominenten russischen Dissidenten“, der in den USA lebt, ermorden zu lassen, teilte das Justizministerium mit. Die US-Behörden nannten den Kreml-Kritiker nicht namentlich. Kasparow lebt seit 2013 im Exil in den USA.
Weitere Zielperson auf Geheimdienst-Liste
Außerdem versuchten die russischen Agenten laut dem US-Justizministerium, eine weitere Zielperson in Litauen ermorden zu lassen. Tjutrin, der sich in der litauischen Hauptstadt Vilnius im Exil aufhält, teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass er nach der Bekanntgabe durch das US-Justizministerium, eine Warnung von den litauischen Behörden erhalten habe. Man habe ihm geraten, „sein Zuhause dringend zu verlassen und sein Auto loszuwerden“. Laut dem US-Justizministerium sind die Verdächtigen noch auf freiem Fuß.
Der mutmaßliche Plan, den die US-Behörden offenlegten, wäre eine weitere Eskalation bei der Verfolgung von Dissidenten durch Moskau sowie bei der Reichweite russischer Operationen auf westlichem Boden. Während russische Sicherheitsdienste wiederholt Gegner des Kremls in Europa ins Visier genommen haben, blieben die Vereinigten Staaten jahrzehntelang tabu.
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