Eine Bootsfahrt auf dem Bosporus bildeten den Abschluss der Türkei-Reise von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Äußerungen des Kölner Comedians und Schauspielers Fatih Çevikkollu sorgten dabei für einen politisch heiklen Moment. Das berichten unter anderem „Bild“, WDR und „WAZ“.
Wüst war am Dienstagabend gemeinsam mit einer Delegation auf einem Ausflugsschiff unterwegs. An Bord waren auch Spitzenmanager aus der Wirtschaft sowie die Fußballer İlkay Gündoğan und Leroy Sané, die inzwischen für Galatasaray Istanbul spielen. Çevikkollu sollte für Unterhaltung sorgen und war den Berichten zufolge dafür eigens aus Deutschland eingeflogen worden.
Videos des Auftritts kursieren auch in den sozialen Medien. Çevikkollu machte sich zunächst über den von Bundeskanzler Friedrich Merz verwendeten Begriff der „deutschen Leitkultur“ lustig. Eine solche Leitkultur gebe es nicht, soll der Comedian gesagt haben.
Anschließend sprach er über den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). „Wenn Deutschland blond und blauäugig wäre, wie erklärst du dann Markus Söder?“, fragte Çevikkollu. Danach bezeichnete er den bayerischen Ministerpräsidenten als jemanden, der „wie ein osteuropäischer Gebrauchtwagenhändler“ aussehe.
Söder sei zudem der „Typ, der immer und überall Kreuze aufhängen“ wolle und gehöre zu „den Jungs, die die Stimmung in die andere Richtung“ kippten, wird Çevikkollu in den Berichten zitiert.
Die Äußerungen fielen bei einem Termin, der eigentlich der Integration und der Würdigung der Geschichte der sogenannten Gastarbeiter gewidmet sein sollte.
Nach Angaben von „Bild“ habe Wüst rasch erkannt, dass die Äußerungen angesichts der aktuellen politischen Situation nicht allein als Scherz verstanden werden könnten. Der Ministerpräsident habe den Kopf geschüttelt und „Nein, nein …“ gesagt. Die „WAZ“ berichtet dagegen, Wüsts Empörung habe eher gespielt gewirkt. Kurz darauf sei der Programmpunkt beendet worden.
Nach Informationen von „Bild“ wurde das geplante Programm anschließend gekürzt. Als offizieller Grund seien Tonprobleme genannt worden. Bereits bei Wüsts Rede zuvor habe es Schwierigkeiten mit dem Ton gegeben.
Politische Gespräche in Ankara
Söder gilt derzeit als größter Rivale Wüsts, wenn es um eine mögliche Nachfolge von Bundeskanzler Merz geht. Der 51-jährige Wüst ist seit Wochen in Berlin als Kandidat für einen „Kanzlertausch“ im Gespräch. Auftrieb erhielt die Debatte um „Reservekanzler“ Wüst auf dessen dreitägiger Türkei-Reise. Wüst hatte am Montag und Dienstag politische Gespräche in Ankara geführt. Dabei wurde er auch überraschend vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan empfangen.
Insgesamt traf der NRW-Ministerpräsident vier Minister, darunter Außenminister Hakan Fidan. Zudem sprach er mit Vertretern der türkischen Opposition, die von massiven Repressionen betroffen ist. Besonders die Inhaftierung des früheren Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu, eines politischen Rivalen Erdoğans, hat international für Aufmerksamkeit gesorgt.
Anlass für Wüsts Reise war der 65. Jahrestag des sogenannten Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei. Das Abkommen wurde 1961 geschlossen und leitete innerhalb von zwölf Jahren die Zuwanderung von fast 900.000 türkischen Arbeitskräften nach Deutschland ein.
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