Der Berliner Linke-Abgeordnete Ferat Koçak gibt nach Kritik an zu viel Nähe zu mutmaßlichen Angehörigen krimineller Clanstrukturen seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags ganz auf. „Ich möchte nicht, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ihre wichtige parlamentarische Arbeit durch Angriffe auf meine Person zusätzlich belastet werden“, schrieb Koçak auf X. Er hatte seine Ausschusstätigkeit wegen der Vorwürfe zuvor bereits ruhen lassen.

„Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität“, schrieb er weiter. Gleichzeitig müsse er eingestehen: „Ich habe einen Fehler gemacht. Im Umgang mit meinem Kontakt zur Familie Remmo bin ich meinem Selbstverständnis nicht gerecht geworden. Ich war in der konkreten Situation naiv und mit der Situation überfordert. Dafür übernehme ich Verantwortung.“

WELT-Redakteur Frederik Schindler berichtete, die Linke-Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano hätten bereits zuvor eine Erklärung an die Funktionäre ihrer Partei verschickt. Demnach schrieben die beiden: „Liebe Genossinnen und Genossen, in der kommenden Stunde erscheint ein Artikel in der Zeit in dem Ferat alles in Bezug zur Causa Remmo offen legt. Er selbst will sich anschließend dazu äußern. Wir sind in engem Kontakt mit ihm, zu den Vorgängen und auch den politischen Konsequenzen. Denn klar ist: er hat einen Fehler gemacht, steht aber außerhalb des Verdachts von organisierter Kriminalität.“

In dem „Zeit“-Interview berichtet Koçak, dass er für eine Antifa-Gruppe auf der Suche nach Handys gewesen sei. Auf einen entsprechenden Instagram-Post habe sich Firas Remmo, Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie, gemeldet und ihm ein Handy angeboten. Er habe Remmo nicht gekannt. Als er das Handy habe abholen wollen, sei er am verabredeten Ort, einem Büro, auf Issa Remmo, den Vater von Firas und Oberhaupt des Remmo-Clans, getroffen. Issa Remmo, den er aus den Medien gekannt habe, habe ihn für seine Arbeit gelobt. Koçak habe überlegt, was er nun tun solle. „Renne ich raus? Sage ich: Mit euch möchte ich nichts zu tun haben?“ Es sei eine „überfordernde Situation“ gewesen. Nach rund 15 Minuten habe er das Treffen „respektvoll“ beendet.

Knapp zwei Wochen später schickte Koçak Firas Remmo eine Instagram-Nachricht und bat ihn um das Teilen eines Videos mit den Worten: „Bruder hilf mir mal (...) sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen.“ Einen Screenshot der Nachricht hatte Firas Remmo selbst auf Instagram veröffentlicht. Der „Zeit“ erklärte Koçak nun zu seiner Nachricht: „Das war vielleicht ein Fehler.“ Er habe die Nachricht an mehrere Menschen versendet. Den Begriff „Bruder“ verwende er auch für Menschen, die er gar nicht kenne.

Koçak steht seit der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin wegen der freundschaftlichen Chatnachrichten mit Firas Remmo unter Druck. Der Abgeordnete hatte die Nachrichten bereits zuvor als Fehler bezeichnet und sich vorerst aus der Öffentlichkeit und dem Innenausschuss des Bundestags zurückgezogen.

Auf Fotos in sozialen Medien war er auf einer Wahlparty der Linken auch neben Ibrahim Ibrahim zu sehen. Nach Angaben des Vereins democ, der sich mit demokratiefeindlichen Bewegungen beschäftigt, ist dieser ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft ist.

Koçak war bei der Bundestagswahl 2025 erstmals in den Bundestag eingezogen, nachdem er das Direktmandat in Neukölln gewonnen hatte. Zuvor war er Mitglied der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.

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