Eine Gruppe von 46 Ökonomen hat in einem Aufruf die Bundesregierung davor gewarnt, die geplante Rentenreform wieder aufzuschnüren. „Nur das ganze Paket entfaltet die notwendige Wirkung!“, heißt es in dem Papier, über das das „Handelsblatt“ und das ZDF berichten. Die Wissenschaftler argumentieren, die Vorschläge der Rentenkommission bildeten ein „konsistentes Bündel von Maßnahmen“, das die Alterssicherung „verlässlicher, fiskalisch nachhaltiger und sozialpolitisch zielgenauer“ machen solle.
Insbesondere wenden sich die Unterzeichner gegen Bestrebungen, die geplante Abschaffung der sogenannten „Rente mit 63“ aufzugeben oder weitgehend auszuhöhlen. Die abschlagsfreie Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren sei eine „sehr teure staatliche Sonderleistung“, von der überdurchschnittlich häufig Männer, Besserverdienende und gesundheitlich weniger belastete Beschäftigte profitierten, schreiben die Ökonomen.
Stattdessen plädieren sie dafür, Menschen gezielt zu unterstützen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum regulären Renteneintritt arbeiten können oder trotz langer Erwerbsbiografien nur geringe Rentenansprüche erworben haben.
Die Wissenschaftler warnen zudem vor den Folgen einer nur teilweisen Umsetzung der Reform. „Die Regierung sollte diese Chance nutzen – und nicht verspielen“, so die dringende Warnung der Fachleute.“ Wer einzelne Bestandteile streiche, müsse einen gleichwertigen Ersatz vorlegen. „Andernfalls fällt das gesamte Konzept zusammen, und die immer größer werdenden Probleme werden weiter vertagt – zulasten der Jüngeren, die schon heute unter steigendem Druck stehen“, heißt es in dem Aufruf.
Initiiert wurde das Papier von der Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, dem Wirtschaftsweisen Martin Werding, dem Präsidenten der ESMT Berlin, Jörg Rocholl, sowie der Speyerer Universitätsrektorin Constanze Janda. Zu den Unterzeichnern zählen darüber hinaus zahlreiche prominente Ökonomen und Institutsleiter, darunter Gabriel Felbermayr, Ulrike Malmendier, Clemens Fuest, Moritz Schularick, Michael Hüther und Bert Rürup.
Hintergrund des Appells sind wachsende Zweifel innerhalb der Regierungsparteien an dem Reformpaket, das eine von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission im Frühsommer vorgelegt hatte. Die Kommission hatte 33 Vorschläge erarbeitet, um die gesetzliche Rentenversicherung angesichts des demografischen Wandels langfristig zu stabilisieren. Auf die Empfehlungen hatten sich auch Vertreter von CDU, CSU und SPD verständigt.
Nach den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gerieten jedoch insbesondere die Pläne zur Abschaffung der „Rente mit 63“ erneut unter Druck. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bislang an den Vorschlägen festhält, fordert SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas inzwischen längere Übergangsfristen und Ausnahmen. Die 46 Ökonomen warnen nun davor, den mühsam ausgehandelten Kompromiss wieder infrage zu stellen.
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