Dieser Vorgang macht bundesweit Schlagzeilen: Alruna H., der Tochter des neurechten Publizisten Götz Kubitschek, ist der Weg in den Schuldienst vorerst versperrt. Das sächsische Landesamt für Schule und Bildung entzog ihr eine bereits erteilte Zulassung zum Referendariat für Gymnasiallehrkräfte, nachdem auch der Verfassungsschutz eingeschaltet worden war.

Alruna H. hatte in Sachsen Deutsch und Musik auf Lehramt studiert und mit dem Staatsexamen (Note eins) abgeschlossen. Im August 2026 sollte sie an einem Dresdner Gymnasium als Referendarin starten. Behörden und Gerichte begründeten ihre Verweigerung des 18 Monate langen Referendariats mit Zweifeln an ihrer Verfassungstreue. Auch WELT hatte über den Fall berichtet.

Dabei wurde unter anderem auf H.s Teilnahme an Veranstaltungen des Instituts für Staatspolitik (IfS) sowie auf frühere Aktivitäten im Umfeld rechtsextremer Gruppierungen wie der „Identitären Bewegung“ verwiesen. H.s Mann sei Teil der „Identitären Bewegung“, zitierte „Tag 24“ aus den Unterlagen. Sowohl das Verwaltungsgericht Dresden als auch das Sächsische Oberverwaltungsgericht haben die Entscheidung bestätigt. Der Beschluss, der im Eilverfahren erging, ist nicht weiter anfechtbar.

In einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ weist H. die Vorwürfe nun zurück. Sie sei weder politische Aktivistin noch habe sie jemals versucht, Schüler politisch zu beeinflussen. Ihre Aufenthalte bei Veranstaltungen in Schnellroda erklärt sie mit familiären Gründen, da dort ihre Eltern leben. „Wir sind sehr regelmäßig übers Wochenende da. Der Gedanke, nicht dorthin zu fahren, wenn mein Vater dort Veranstaltungen abhält, ist lächerlich“, sagte sie in der „Berliner Zeitung“. Die Bewertung durch die Behörden bezeichnete die Mutter von zwei Kindern als ungerecht und politisch motiviert. Verfassungstreue bedeute für sie, so H., die Achtung der Grundrechte und die Ablehnung von Gewalt.

H. spricht von einem „politischen Verfahren“

Beschwerden über ihre Arbeit in Praktika oder während des Lehramtsstudiums habe es nie gegeben, erklärt sie auf Nachfrage hin. Wörtlich sagt die junge Frau: „Ich habe nach einem sehr guten Abitur mein Hochschulstudium in Dresden aufgenommen und auch mit zwei kleinen Kindern das Staatsexamen nahezu in Regelstudienzeit und wiederum mit einer sehr guten Abschlussnote absolviert.“ Eine Behörde, die eine junge Lehrerin trotz dieser Umstände nicht einstellen will, so H., habe „kein Problem mit einem vielfach beklagten Lehrermangel, sondern mit der politischen Opposition“. Den „notwendigen Eid auf die Verfassung“ habe sie „ohne zu zögern und ehrlichen Herzens“ geleistet.

H. spricht von einem „politischen Verfahren“, sie sieht in ihrem Fall auch ein Signal an Menschen mit unliebsamen politischen Kontakten oder Ansichten. Der „Berliner Zeitung“ sagte sie: „Das Urteil setzt genau auf diese Signalwirkung. Es soll einschüchtern und zeigen, dass nicht einmal echtes politisches Engagement vorliegen muss, um jemandem eine Berufsausübung unmöglich zu machen. Dass es ausreicht, zur falschen Zeit am falschen Ort mit den falschen Menschen sich aufzuhalten.“

Mehrfach kritisiert sie, dass ihre familiäre Herkunft eine zentrale Rolle spiele und sie in der öffentlichen Debatte häufig nur als „Kubitschek-Tochter“ wahrgenommen werde. Alruna H. ist eines von sieben Kindern von Götz Kubitschek und der Publizistin Ellen Kositza. Das Paar hat fünf gemeinsame Kinder, dazu kommen zwei Kinder aus einer weiteren Partnerschaft von Kositza. Die Familie lebt in Schnellroda in Sachsen-Anhalt.

Des Weiteren kritisiert H. die ihrer Meinung nach tendenziöse Auswahl des Materials, das ihr zur Last gelegt wird. „Das angeforderte Gutachten des Verfassungsschutzes zu meiner Person bezieht sich ausschließlich auf antifaschistische ‚Recherchen‘ und unerlaubt angefertigte und veröffentlichte Fotografien und zitiert teils namentlich Antifa-Blogs. Ich spreche deshalb dem Verfassungsschutz Neutralität und Augenmaß ab. Er ist eine politisch gelenkte Institution“, behauptet sie.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft das Institut für Staatspolitik als „gesichert rechtsextrem“ und verfassungsfeindlich ein. Der „Spiegel“ berichtete, dass eine Überprüfung des zuständigen Landesamts für Verfassungsschutz ergeben habe, dass H. unter anderem zwischen 2022 und 2025 regelmäßig an Veranstaltungen des Ifs teilgenommen hatte. Im Netz gebe es fünf Bildergalerien, die sie bei den Akademietreffen zeigen sollen. Das Ifs löste sich 2024 offiziell auf, frühere Verantwortliche führen die Arbeit nach eigenen Angaben in neuen Organisationsformen fort.

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