Als „Bild“-Reporter Iman Sefati den Mann anspricht, wird die Stimmung sofort angespannt. „Herr Ibrahim, grüße Sie, hallo, darf ich mal was fragen?“, sagt der Journalist. „Nein! Hau ab! Hau ab!“, antwortet Ibrahim gereizt und geht davon. So ist es zu sehen in einem Video, das Sefati auf X veröffentlichte. Die Konfrontation mit Ibrahim fand am Mittwoch bei einer propalästinensischen Demonstration am Wittenbergplatz in Berlin statt.
Der Mann, der auf die Frage des Reporters so unwirsch reagiert, ist Ibrahim Ibrahim. Er gilt als Mitglied des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees, einer vom Verfassungsschutz als Dachorganisation von Hamas und PFLP in Deutschland bezeichneten Gruppierung. Und Ibrahim hat Kontakte zur Linkspartei – insbesondere zu deren Neuköllner Kreisverband. Dass Ibrahim auf der Wahlparty der Partei in Neukölln auftrat, sorgt seither für Diskussionen. Ibrahim freute sich nach dem Wahlsieg auch in einem Schreiben. Darin hieß es: „Ich bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, Die Linke zu unterstützen.“
Reporter Iman Sefati will in der im Video dokumentierten Szene von ihm wissen, inwieweit er die Linke im Wahlkampf unterstützt habe. „Hau ab, hab ich gesagt, ich möchte nichts sagen“, antwortet Ibrahim darauf und drückt das Mikrofon in Sefatis Hand weg.
Darauf bildet sich eine Gruppe um die beiden, in der sich Sefati rückwärts von Ibrahim entfernt. Die Lage wird unübersichtlich, jemand ruft „Sharmuta“, das arabische Wort für „Hure“. Eine unbekannte Person mit kurzen Haaren, Sonnenbrille und Kuffiya tritt daraufhin auf Sefati zu und stößt ihn in den Rücken. Die Person wird sofort von Polizisten überwältigt und abgeführt. Die polizeiliche Maßnahme ist auch in anderen Videos von der Demonstration zu beobachten.
In einem Video, das Sefati offenbar kurz nach dem Vorfall in seinem Auto aufnahm, erklärt er, er habe Ibrahim außerdem fragen wollen, ob er sich von Terrororganisationen wie der Hamas distanziere. Diese brächten nicht nur Juden um, „sondern auch kritische Palästinenser“, sagt Sefati. „Zu dieser Frage ist es leider gar nicht gekommen.“
Reporter Sefati: „Das kennen wir leider schon“
„Wir haben gewartet, bis die Veranstaltung zu Ende geht, bis Frauen und Kinder nach Hause gehen“, sagt Sefati am Donnerstag im Gespräch mit WELT TV. Er habe in ruhiger Atmosphäre seine Fragen an Ibrahim stellen wollen. Aber es habe nicht einmal 60 Sekunden gedauert, bis sich Ibrahim so verhalten habe, wie es im Video zu sehen sei, und bis er von hinten angegriffen wurde, sagt Sefati. „Aber das kennen wir schon leider seit fast drei Jahren auf Anti-Israel-Demos.“
Die Berliner Linke strebt laut ihrem Wahlprogramm an, Polizeiaufgaben teilweise durch Sozialarbeit zu ersetzen und den Polizeiapparat zu verkleinern. „Für mich bedeutet das, dass Journalisten, Passanten, Kritiker bei solchen Veranstaltungen nicht mehr sicher sind“, sagt der Reporter. „Das ist ein gefährliches Signal für Berlin, aber es ist auch ein gefährliches Signal für unsere Demokratie.“
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