Militärexperte Carlo Masala warnt vor einem schweren Winter für die Ukraine. Bei WELT TV erklärte er: „Für Russland ist diese Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur ein Versuch – wenn der Winter sehr kalt wird –, sozusagen ein großes Leid und vielleicht eine humanitäre Katastrophe unter der Zivilbevölkerung der Ukraine herbeizuführen.“
Gleichzeitig werde damit versucht, „die Kosten für die Europäer in die Höhe“ zu treiben. Russland hoffe darauf, dass sich die Bevölkerung „mancher europäischer Länder“ wegen der gezahlten Ukraine-Hilfen erhebe und auf „die Politik einen Einfluss“ nehme.
In Deutschland gebe es bereits erste Entwicklungen in diese Richtung. „Da sehen wir ja jetzt schon aus allen Ecken die Argumentationen kommen, nehmen Sie nur den sächsischen Ministerpräsidenten, dass das alles sozusagen nicht richtig kalibriert ist. Das ist die Hoffnung Moskaus, dass man hier diesen Riss einfach vergrößern kann.“ Doch bisher sprächen sich weiterhin die meisten Regierungen für Ukraine-Hilfen aus, betonte Masala.
Der „Schattenkrieg“ Russlands gegen europäische Staaten habe nichts mit der Einstellung der Bevölkerung zu Ukraine-Hilfen zu tun. So habe eine kürzlich auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Wunstorf gefundene Drohne bereits seit 2024 dort gelegen. „Das zeigt aber deutlich, dass dieser Plan Russlands, über Angriffe und Anschläge in europäischen Staaten die Bevölkerung zu beeinflussen, nichts zu tun hat mit der Intensität der Unterstützung der Ukraine“, sagte Masala. Dennoch betonte er: „Wir sehen in den letzten mehr oder weniger zwei Monaten, wie Russland diesen Schattenkrieg intensiviert.“
Dadurch, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bereitschaft seines Landes signalisiert habe, Angriffe auf russische Energieanlagen einzustellen, wenn auch Moskau nicht mehr ukrainische Anlagen angreife, sehe er den „Ball“ jetzt bei Russland liegen. Allerdings, so sagte Masala: „Russland wird diesen Ball nicht aufnehmen. Von daher besteht die Hoffnung, das ist vor allem die ukrainische Hoffnung, dass die USA dann härter gegen Russland vorgehen werden.“
Wolodymyr Selenskyj hatte am Rande der UN-Vollversammlung in New York am Dienstag vor Journalisten erklärt: „Wir sind zu jeder Art von Energie-Waffenstillstand bereit“, falls Moskau zustimme, „unser Energiesystem nicht anzugreifen.“
Der ukrainische Staatschef betonte zugleich, er kenne die Haltung Moskaus zu dieser Frage nicht. Er äußerte die Hoffnung, dass die USA einen Weg finden würden, die russische Seite „zu irgendeiner Form von Verhandlungen zu bewegen“.
Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Vollversammlung bezeichnete Selenskyj im Onlinedienst X später als „positiv und produktiv“. Er erklärte, „sowohl die USA als auch die Ukraine wollen, dass dieser sinnlose russische Krieg vor dem Winter endet“. Er habe mit Trump über „Deeskalationsmaßnahmen gesprochen, die den Weg für die Diplomatie ebnen könnten“, fügte Selenskyj hinzu.
Die USA versuchen seit Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus, ein Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu erreichen. Bisherige Gesprächsrunden unter Beteiligung von Unterhändlern der USA, Russlands und der Ukraine brachten keinen Durchbruch. Zuletzt bemühten sich die USA darum, die stockenden Verhandlungen wiederzubeleben.
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