Die Vertrauenskrise der Bundesregierung und die Schwäche Europas vergrößern nach Einschätzung des früheren Spitzendiplomaten Wolfgang Ischinger die Bedrohung durch Russland. Europas Sicherheit sei in einer Weise bedroht, „wie wir das seit den Zeiten des Kalten Kriegs nicht mehr kennen“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Ich glaube, uns steht seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor viereinhalb Jahren der bisher gefährlichste Herbst bevor.“
Ischinger verweist auf die Debatten über Kanzler Friedrich Merz (CDU) und den Fortbestand der Bundesregierung sowie den bevorstehenden Abschied des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Das könne der Kreml als Schwächephase verstehen und sie für „militärische Drohungen und Nadelstiche“ nutzen. Deshalb rät er dem Kanzler, doch noch zur UN-Generalversammlung nach New York zu reisen, um zu zeigen: „Deutschland ist nicht so von innenpolitischen Krisen zerrüttet, dass es auf der internationalen Ebene ausfällt.“
Zwischen 2001 und 2008 vertrat Ischinger die Bundesrepublik als Botschafter in Washington und London. Anschließend wurde er Chef der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), die als weltweit wichtigstes außenpolitisches Expertentreffen gilt.
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