Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zeigen erneut die Grenzen der Demoskopie auf. Zwar lagen die Umfrageinstitute bei vielen Parteien nahe am tatsächlichen Ergebnis, bei einigen zentralen Entwicklungen wurden die Trends jedoch verfehlt. Besonders auffällig: Die CDU wurde in Mecklenburg-Vorpommern durchgehend zu stark eingeschätzt, während die Linke in Berlin deutlich besser abschnitt als zuletzt vorhergesagt.
In Mecklenburg-Vorpommern hatten die letzten Umfragen die CDU meist zwischen sechs und sieben Prozent gesehen. Am Ende landeten die Christdemokraten mit 4,9 Prozent erstmals bei einer Landtagswahl unter der Fünf-Prozent-Hürde. Zwar bewegt sich die Abweichung teilweise noch im Bereich der statistischen Fehlertoleranz.
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Politisch machte sie jedoch einen erheblichen Unterschied: Die Umfragen suggerierten bis zuletzt einen vergleichsweise sicheren Einzug der CDU in den Landtag. Noch drei Wochen vor der Wahl lag die CDU in den Umfragen meist bei 10 Prozent.
Auch das Rennen zwischen AfD und SPD entwickelte sich anders, als viele Erhebungen erwarten ließen. Die Institute sahen beide Parteien meist dicht beieinander. In der letzten Umfrage vor dem Urnengang, einer Befragung von Forschungsgruppe Wahlen, lag die SPD mit 37 Prozent sogar vor der AfD (36 Prozent).
Tatsächlich gewann aber die AfD die Wahl mit 38,2 Prozent deutlich vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die auf 35,5 Prozent kam. Das Rennen war damit klarer entschieden, als es die meisten Umfragen nahegelegt hatten.
AfD in Berlin überschätzt, Linke unterschätzt
Noch größer fielen die Abweichungen in Berlin aus. Dort hatten die letzten Erhebungen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linken vorhergesagt. Die Linke wurde meist bei 20 bis 23 Prozent gesehen. Am Ende kam sie auf 25,7 Prozent und gewann die Wahl deutlich. Die CDU hingegen blieb mit 18,8 Prozent klar hinter den Erwartungen zurück. Statt eines engen Duells entstand ein Vorsprung von fast sieben Prozentpunkten für die Linke.
Die AfD wurde in Berlin leicht überschätzt. Während die Institute die Partei meist bei 17 bis 18 Prozent verorteten, erreichte sie schließlich 16,3 Prozent. Auch die Grünen schnitten am Ende schlechter ab als vorhergesagt.
Die SPD trafen die Umfrageforscher dagegen vergleichsweise präzise. Das BSW bewegte sich sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern nahe an den vorhergesagten Werten und verpasste jeweils den Einzug ins Parlament.
Dass Umfragen und Wahlergebnisse auseinanderfallen, ist kein ungewöhnliches Phänomen. Die Institute weisen regelmäßig darauf hin, dass ihre Erhebungen lediglich eine Momentaufnahme darstellen. Hinzu kommt die sinkende Parteienbindung vieler Wähler. Immer mehr Menschen entscheiden sich erst kurz vor dem Wahltag oder wechseln ihre Parteipräferenz kurzfristig. Das erschwert eine treffsichere Vorhersage erheblich. Gerade in den letzten Tagen eines Wahlkampfs können Debatten, personelle Fragen oder strategische Überlegungen von Wählern noch zu spürbaren Verschiebungen führen.
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