Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, hat sich angesichts einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt optimistisch gezeigt. „Mir macht die mög­li­che AfD-Regie­rung keine Angst“, sagte er im Interview mit der „Sächsischen Zeitung“ und der „Leipziger Volkszeitung“. Er wolle abwarten, was die Partei tatsächlich umsetzen würde.

„Ich ver­stehe die Men­schen, die die AfD wäh­len. Wohin man nur schaut, scheint das Land nicht zu funk­tio­nie­ren, in den Kran­ken­häu­sern, Schu­len und bei der Bahn“, erklärte er. Er glaube jedoch nicht, dass die AfD diese Probleme lösen könne. „Und so wird die Zustim­mung für die AfD bestimmt wie­der zurück­ge­hen.“

Privorozki, der die Gemeinde in Halle seit 1999 leitet, zeigte sich außerdem „schockiert“ über das Ausmaß von Antisemitismus in vie­len Tei­len der Gesell­schaft. „In der AfD gibt es defi­ni­tiv Anti­se­mi­ten“, sagte er. Aber die Partei sei nicht die größte Bedro­hung für jüdi­sches Leben. „Seit dem 7. Okto­ber 2023 kommt Anti­se­mi­tis­mus auch mas­siv von links. Er hat in Uni­ver­si­tä­ten und in Tei­len der Links­par­tei Ein­zug gehal­ten. Die könnte bald in Ber­lin eine Regie­rung anfüh­ren.“

Das eigentlich Gefährliche an den Plänen der AfD sei ihre Geschichtspolitik. Die Partei wolle, dass es im Geschichtsunterricht weniger um den Nationalsozialismus gehe. „Natür­lich gibt es mehr als die zwölf Jahre zwi­schen 1933 und 1945, aber es gab auch nicht in vie­len Län­dern eine sol­che Schreckens­herr­schaft. Und in kei­nem ande­ren Land haben Juden so gelit­ten wie in Deutsch­land“, sagte Privorozki.

Er verwies auch auf den Antisemitismus im muslimischen und migrantischen Milieu. „Die Aus­wir­kun­gen von isla­mi­sti­schem Gedan­ken­gut sind für uns der­zeit beson­ders spür­bar: Kin­der aus der Gemeinde kom­men wei­nend nach Hause. Sie wer­den in der Schule gemobbt, weil sie Juden sind.“ In den Stadt­tei­len von Halle mit hohem migran­ti­schen Anteil, würde er „auf kei­nen Fall“ Kippa tra­gen.

Gleichzeitig verwahrte er sich gegen eine Pauschalisierung: „Die Reli­gion Islam und die Ideo­lo­gie des Isla­mis­mus sollte man nicht ver­mi­schen. Auch Juden und Chri­sten kön­nen Extre­mi­sten sein.“

Die Synagoge in Halle war vor sieben Jahren, am 9. Oktober 2019, von einem rechtsextremen Attentäter angegriffen worden. Privorozki sagte anlässlich des nahenden Jahrestages: „Der Atten­tä­ter von damals wurde 2020 zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt, doch noch immer hin­ter­las­sen uns Men­schen im Inter­net Nach­rich­ten in sei­nem Namen: Er werde wie­der­kom­men, in die Rich­tung geht das.“ Jedes Jahr an Jom Kippur, dem Feiertag, an dem das Attentat geschah, erinnere die Gemeinde mit einem besonderen Gebet an den Tag und die Opfer. „Am Mon­tag wer­den wir es wieder spre­chen.“

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