Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller hat kurz vor der Hauptstadt-Wahl am Sonntag seine Mitglieder zu deren Wahlpräferenzen befragt. Die Ergebnisse liegen WELT vor. Von circa 2300 Mitgliedern haben sich 340 an der Umfrage beteiligt. Unter ihnen hätte die CDU eine absolute Mehrheit: 51,5 Prozent gaben an, die CDU wählen zu wollen. Zweitplatziert war die FDP mit 13,2 Prozent.
Die Frage, die zur Abstimmung gestellt wurde, lautete: „Wenn am kommenden Sonntag die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin wäre: Welche Partei würden Sie wählen?“ Zur Auswahl standen die Antwortmöglichkeiten CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD, BSW, FDP, „eine andere Partei“ und „weiß ich noch nicht“. Die Befragung wurde anonym unter den Vereinsmitgliedern durchgeführt und ist nicht repräsentativ. Sie lässt aber Rückschlüsse auf das Ansehen der Berliner Christdemokraten und deren Spitzenkandidaten Stefan Evers unter Berliner Wirtschaftsvertretern zu.
Der Verein spricht von einem „Stimmungsbild“. Er versteht sich als Interessengemeinschaft, die für die „freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung“ eintritt. Präsident ist der Unternehmer und ehemalige SPD- und spätere FDP-Politiker Harald Christ, der inzwischen auch die Liberalen verlassen hat. Auch die ehemalige Bahn-Managerin Sigrid Nikutta gehört zum Präsidium. Zum Vereinsbeitritt benötigen Interessierte zwei Bürgen.
Weit abgeschlagen auf dem dritten Platz landeten in der Vereins-Umfrage die Grünen. 9,4 Prozent der teilnehmenden Mitglieder würden der Partei ihre Stimme geben. Darauf folgten die AfD mit 8,2 Prozent und die SPD mit 6,8 Prozent. Linke und BSW würden nicht ins Abgeordnetenhaus einziehen, 3,8 Prozent sind noch unentschieden und 2,6 Prozent würden „eine andere Partei“ wählen. Die Ergebnisse hat der Verein zwischen dem 27. August und dem 7. September 2026 erhoben.
Die Kaufleute hatten ihre Mitglieder dabei nicht nur zu deren Parteipräferenz befragt. Sie fragten darüber hinaus auch: „Welche Themen sollte die nächste Berliner Landesregierung aus Ihrer Sicht mit besonderer Priorität angehen?“ Die Befragten konnten aus 15 Themenfeldern maximal drei auswählen, darunter „Verbesserung der Inneren Sicherheit“, Bürokratieabbau, Bewerbungen um Olympia und die Expo, „Sicherung von Fachkräften“, das Klima oder Wohnungsneubau.
Zum Ergebnis teilte der Verein mit: „An erster Stelle der politischen Prioritäten steht der Neubau von Wohnungen: 46,8 Prozent zählen ihn zu den drei wichtigsten Aufgaben.“ Darauf folgt der Bürokratieabbau, den 36,5 Prozent der Befragten nannten, und die Verbesserung der inneren Sicherheit mit 35,6 Prozent.
Befragt wurden die Mitglieder zudem nach dem „gewünschten Regierungsstil“. Dort, teilte der Verein mit, überwog der Wunsch nach mehr Tempo und konkretem Handeln. 34,4 Prozent nennen Umsetzungsgeschwindigkeit als wichtigste Eigenschaft der nächsten Landesregierung, 18,5 Prozent Reformbereitschaft und 17,9 Prozent Entscheidungsfähigkeit.
„Das Stimmungsbild sendet eine sehr klare Botschaft“, so Vereinspräsident Harald Christ: „Die Berliner Wirtschaft erwartet von der nächsten Landesregierung vor allem, dass sie ins Handeln kommt. Wohnungsbau beschleunigen, Bürokratie abbauen, Verwaltung modernisieren und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen“.
Jan Alexander Casper berichtet für WELT vor allem über die Grünen und gesellschaftspolitische Themen.
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