Die ehemalige italienische Außenministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot. Die Politikerin starb im Alter von 78 Jahren, wie ihre Partei Più Europa (Mehr Europa) mitteilte. Die Politikerin war von 1995 bis 1999 innerhalb der EU-Kommission für Verbraucherschutz zuständig. Später wurde Bonino in ihrem Heimatland Europa-Ministerin und danach auch Außenministerin.
„Heute verlieren wir nicht nur unsere Vorsitzende, wir verlieren eine der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten in der politischen Geschichte unseres Landes und der freien Welt“, erklärte die Partei in den sozialen Medien.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Bonino mit den Worten: Auch wenn die Hintergründe und Sichtweisen unterschiedlich gewesen seien, „hat mich das nie daran gehindert, ihre Bedeutung und ihre Rolle im öffentlichen Leben unserer Nation anzuerkennen“.
Bekanntheit erlangte Bonino in den 1970er Jahren als prominente Vertreterin der Partei Radicali Italiani (Italienische Radikale), die vor allem radikal-liberale Positionen vertrat. Im stark katholisch geprägten Italien der 1970er-Jahre kämpfte sie erfolgreich für die Legalisierung der Abtreibung. Mit 26 Jahren wurde sie schwanger und nahm selbst eine damals illegale Abtreibung vor.
Emma Bonino im Jahr 2014Bonino war seit langer Zeit gesundheitlich angeschlagen. Anfang der Woche musste sie wegen Atemnot in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert werden. Bis Donnerstag wurde sie auf der Intensivstation behandelt und dann in eine private Einrichtung verlegt. Medienberichten zufolge basierte diese Entscheidung auf einer Übereinkunft ihres privaten Arztes und den Ärzten im Krankenhaus.
Seit Krebsdiagnose immer mit Kopftüchern
Ihre Bekanntheit und Ansehen in Italien waren bis zuletzt hoch. 2013 hatte sich Bonino darum bemüht, als erste Frau italienische Staatspräsidentin zu werden. In den Umfragen lag sie sogar lange Zeit vorn. Schließlich wurde jedoch der damalige Amtsinhaber Giorgio Napolitano (1925-2023) wiedergewählt.
Nach ihrer Krebsdiagnose im Jahr 2015 zeigte sie sich in der Öffentlichkeit fast immer mit farbenfrohen Kopftüchern. Mehrere Jahre nach der Diagnose und verschiedenen Therapien erklärte sie, vollständig geheilt zu sein.
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