Der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Frank Henning hat eine Journalistin öffentlich beleidigt. „Die Kritik war persönlich verletzend und indiskutabel“, gestand der Politiker aus Osnabrück ein. „Das tut mir aufrichtig leid.“ Zunächst hatte die betroffene Journalistin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ („NOZ“) selbst berichtet.
Den Post veröffentlichte Henning am Freitag in seinem WhatsApp-Status, den alle seine Kontakte einsehen konnten. „Was für ein Scheiß Artikel, diese Frau Dorn ist einfach nur ätzend. Muss wohl an der neuen Frisur liegen“, schrieb der SPD‑Politiker. Hintergrund war ein Text über die kommunale Wohnungsgesellschaft WiO.
Die Nachricht war an eine Kollegin gerichtet und landete versehentlich in seinem Status, wie Henning mitteilte. „Ich habe sie im Affekt geschrieben.“ Er habe die Journalistin um Entschuldigung gebeten, die Nachricht gelöscht und den Fehler in seinem WhatsApp-Status eingestanden. „Darüber hinaus werde ich meine Kommunikation künftig stärker reflektieren und hinterfragen – und den Rat ‚Erst denken, dann schreiben‘ beherzigen.“
„Hennings Post geht einen Schritt weiter“
Die betroffene Journalistin Sandra Dorn veröffentlichte einen Zeitungsartikel mit Screenshots des Posts. „Kritik an Texten gehört dazu. Solange sie sachlich ist, ist das okay“, schrieb Dorn. „Hennings Post allerdings geht einen Schritt weiter. Er greift mich nicht nur als Redakteurin an, sondern auch als Person.“
„NOZ“-Chefredakteurin Louisa Riepe sicherte der Journalistin ihre Unterstützung zu. „Die fachliche Arbeit einer Frau mit ihrem Äußeren zu verknüpfen und darüber abzuwerten, ist für mich sexistisch“, schrieb Riepe auf der Plattform LinkedIn. Ein Politik-Profi wie Frank Henning müsse den Unterschied zwischen harter Kritik und persönlicher Herabsetzung kennen. „Deshalb möchte ich an dieser Stelle vor allem meiner Kollegin und allen Journalistinnen und Journalisten, die wegen ihrer Arbeit beleidigt oder persönlich herabgesetzt werden, den Rücken stärken.“
Rückendeckung bekommt Henning von der niedersächsischen SPD‑Landtagsfraktion. „Herr Henning hat einen Fehler gemacht“, teilte die Fraktion mit. „Er steht dazu, bedauert ihn, hat sich entschuldigt und arbeitet sein Verhalten auf.“ Rücktrittsforderungen aus den Reihen der CDU-Fraktion seien befremdlich.
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