In einem der wenigen katholischen Gotteshäuser in Moskau hat der Chef-Diplomat des Vatikans, Paul Richard Gallagher, am Donnerstag eine Messe für den Frieden gehalten. An dem auf Latein, Italienisch und mitunter Englisch gehaltenen Gottesdienst in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis in der russischen Hauptstadt nahmen Hunderte Menschen teil, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Auch mehrere westliche Geistliche wirkten an der Messe mit.

Im christlich-orthodox geprägten Russland, dessen Beziehungen zu westlichen Ländern im Zuge des Ukraine-Kriegs äußerst angespannt sind, war dies ein außergewöhnliches Ereignis. „Wir müssen Friedensstifter werden, wie es Christus gesagt hat“, appellierte Gallagher in der Messe. Der Gesandte von Papst Leo XIV. rief die Gläubigen auf, „zu suchen, was uns eint, und nicht, was uns spaltet“.

Der Geistliche hatte zuvor auch Russlands Außenminister Lawrow getroffen

Gallaghers Besuch war die erste Visite eines hohen Vertreters des Vatikans seit November 2021. Im Februar 2022 hatte die russische Armee mit ihrer Offensive gegen das Nachbarland Ukraine begonnen.

Gallagher war am Dienstag in Russland eingetroffen und zunächst von Außenminister Sergej Lawrow empfangen worden. Dabei warb der Chef-Diplomat des Papstes für Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine. Schon bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag hatte Gallagher an Moskau und Kiew appelliert, Verhandlungen zu führen, um den seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg zu beenden.

Lawrow seinerseits begrüßte die „besonnene Haltung“ des Vatikans mit Blick auf die Ukraine, betonte jedoch zugleich, dass „die tieferen Ursachen“ des Konflikts angegangen werden müssten, um ihn zu beenden.

Treffen mit Putins Chefberater Juri Uschakow

Nach Lawrow war der Vatikan-Diplomat auch mit dem außenpolitischen Chefberater Juri Uschakow von Präsident Wladimir Putin zusammengekommen.

Ein auf X verbreitetes Foto zeigt Gallagher und Uschakow beim Handschlag im Büro des Beraters. Ursprünglich war das Treffen laut Vatikan bereits für Mittwoch geplant. Warum es erst am Donnerstag stattfand, wurde nicht mitgeteilt. Auch über die Länge des Gesprächs machte der Vatikan keine Angaben. Zum Inhalt hieß es, man habe Themen von gemeinsamem Interesse vertieft.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte sich bei einer Pressekonferenz am Donnerstag nicht zu dem Treffen von Uschakow und Gallagher äußern, wie russische Medien berichten. Zugleich dämpfte er Hoffnungen auf mögliche neue Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zur Beendigung des Krieges. Es gebe im Moment keine Informationen über konkrete Pläne oder Termine für eine neue Gesprächsrunde, so Peskow.

Peskow kündigte unterdessen an, Russland werde seine „militärische Spezialoperation“ fortsetzen, weil es seine Ziele nicht mit friedlichen Mitteln erreichen könne. Moskau bleibe aber grundsätzlich offen für die Fortführung von Friedensgesprächen.

Gallagher hatte in Moskau auch angeboten, dass der Vatikan zwischen beiden Kriegsparteien vermittelt, um Frieden zu erzielen. Bisher beschränkt sich dessen Rolle im Wesentlichen auf die Unterstützung des Austauschs von Kriegsgefangenen zwischen beiden Ländern und der Heimkehr von verschleppten oder vermissten Familienangehörigen. Hierfür leiteten Vatikanvertreter etwa entsprechende Listen weiter.

Der Vatikan hat den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verurteilt, versucht aber gleichzeitig, den Dialog mit Russland aufrechtzuerhalten. Der Besuch erfolgte im Einklang mit der diplomatischen Tradition des Vatikans, Neutralität zu wahren und den Kontakt zu Konfliktparteien nicht abzubrechen – auch wenn sich die Beziehungen zu Moskau jüngst deutlich verschlechtert haben.

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