Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Österreich, Finnland und Schweden dringen auf eine deutliche Kürzung des geplanten EU-Haushalts für die Jahre 2028 bis 2034. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die sechs Regierungen, den Vorschlag der EU-Kommission für den sogenannten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) in Höhe von nahezu zwei Billionen Euro „um mehrere hundert Milliarden Euro“ zu reduzieren.
Die Verhandlungen über den künftigen EU-Haushalt befänden sich in einer entscheidenden Phase, heißt es in der Erklärung. Die sechs Staaten unterstützen zwar eine stärkere Ausrichtung der EU-Ausgaben auf Prioritäten wie Sicherheit und Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit, Migration und Souveränität. Angesichts angespannter öffentlicher Finanzen in vielen Mitgliedstaaten dürfe der EU-Haushalt jedoch nur „in moderater Weise“ wachsen.
Alle Ausgabenbereiche müssten zu den notwendigen Einsparungen beitragen, fordern die Regierungen. Zudem verlangen sie eine Überprüfung bestehender Zahlungsverpflichtungen sowie eine Begrenzung des Personalaufwuchses in den EU-Institutionen. Auch „übermäßige Ungleichgewichte bei den Nettosalden“ zwischen den Mitgliedstaaten müssten korrigiert werden.
Zugleich sprechen sich die sechs Länder für eine Reform der EU-Haushaltsarchitektur aus. Europäische Fördermittel sollten an die Einhaltung von Rechtsstaatlichkeit und gemeinsamen europäischen Werten geknüpft bleiben. Eine neue gemeinsame Schuldenaufnahme lehnen die Unterzeichner ausdrücklich ab. Diese sei „keine Lösung“ für die haushaltspolitischen Herausforderungen Europas und kein Ersatz für Strukturreformen. Ziel sei es, die Verhandlungen über den Finanzrahmen noch im Jahr 2026 abzuschließen.
Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission für eine Aufstockung von bis zu 60 Prozent seien in Zeiten der Haushaltskonsolidierung „schlicht unbezahlbar“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin nach einem Treffen mit mehreren europäischen Regierungschefs. An dem vertraulichen Treffen in Berlin nahmen die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo und der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker teil. Die Ministerpräsidenten der Niederlande und Schwedens waren per Videokonferenz zugeschaltet.
Zusammen finanzieren diese sechs Staaten nach den Worten des Kanzlers rund 40 Prozent des europäischen Haushalts. Merz betonte, dass diese Länder zudem 70 Prozent der bilateralen Hilfen von EU-Staaten für die Ukraine aufbringen. „Wir sind nicht geizig, aber solche Aufschläge, wie von der Kommission vorgeschlagen, passen einfach nicht in unsere Zeit.“
Die Gruppe fordert „Realismus und Reformen“ für den mehrjährigen Finanzrahmen, der am 1. Januar 2028 in Kraft tritt. Im Zentrum des Budgets müsse die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union und ihrer Industrie stehen. „Mit einem Haushalt des 20. Jahrhunderts werden wir den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht begegnen können“, sagte Merz. Ziel sei es, die Verhandlungen nach Möglichkeit bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Die Gruppe wolle bei den im Oktober beginnenden EU-Beratungen mit einer gemeinsamen Position auftreten.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke