Russland bereitet nach Angaben mehrerer kremlnaher Quellen eine weitere Eskalation des Kriegs gegen die Ukraine vor. Die Verhandlungen über eine Friedenslösung seien aus Sicht des Kremls faktisch in einer Sackgasse angekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mehrere mit der russischen Führung vertraute Personen.
Demnach erwägt Russland eine Intensivierung konventioneller Angriffe mit ballistischen Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, darunter auch Ziele im Stadtzentrum. Zudem könnten Infrastrukturziele in anderen ukrainischen Städten verstärkt angegriffen werden.
Im russischen Staatsfernsehen sagte Präsident Wladimir Putin am Wochenende, die Ukraine habe mit ihren Angriffen auf russische Infrastruktur die „Büchse der Pandora geöffnet“ und müsse nun „bereit sein, einen Gegenschlag gegen die empfindlichsten Bereiche ihrer Wirtschaft hinzunehmen“.
Die bislang genutzten Verhandlungsformate seien nach Einschätzung der von Bloomberg zitierten Quellen „faktisch zusammengebrochen“. Putin werde den Krieg weder wegen westlicher Sanktionen noch wegen ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien und Logistiknetzwerke beenden.
Zudem betrachte Moskau ukrainische Angriffe zunehmend als indirekte Angriffe von Nato-Staaten, da westliche Bündnispartner der Ukraine Waffen und Geheimdienstinformationen zur Verfügung stellen.
Bloomberg berichtet zudem, der Kreml habe die Hoffnung auf eine politische Lösung über die USA weitgehend aufgegeben. Nach Darstellung der Quellen glaubte Moskau lange, dass eine Verständigung zwischen Putin und US-Präsident Donald Trump zu ukrainischen Zugeständnissen in der Region Donezk führen könnte. Diese Erwartungen hätten sich jedoch nicht erfüllt. Vielmehr glaube der Kreml, selbst Zugeständnisse gemacht und die eigene Position damit nur geschwächt zu haben.
Einsatz von Atomwaffen als letztes Mittel?
Außerdem kommen dem Bericht zufolge immer mehr russische Funktionäre zu dem Schluss, dass Putin im weiteren Kriegsverlauf als letztes Mittel auch den Einsatz taktischer Atomwaffen erwägen könnte. Eine so extreme Maßnahme werde als zunehmend realistisch betrachtet, da nur eine Sache für Putin schlimmer sei, als den Krieg fortzuführen: ihn zu verlieren.
Es wäre ein Schritt mit historischer Tragweite. Seit den US-Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 wurden Atomwaffen in einem Krieg nicht mehr eingesetzt. Taktische Atomwaffen haben eine begrenzte Reichweite, könnten aber dennoch weite Landstriche verseuchen.
Konkrete Vorbereitungen für einen solchen Schritt gebe es allerdings nicht. Der Russland-Experte Alexander Gabujew vom Carnegie Russia Eurasia Center sagte Bloomberg, das Risiko eines russischen Einsatzes taktischer Atomwaffen bleibe „äußerst gering“. Solange Russland noch Möglichkeiten habe, den Druck mit konventionellen Waffen zu erhöhen, bestehe für Moskau wenig Anreiz, „die nukleare Schwelle zu überschreiten“, zitierte Bloomberg den Experten. Nach Angaben der Agentur haben wichtige russische Partnerstaaten wie China und Indien Putin zudem wiederholt vor einem Einsatz von Atomwaffen gewarnt.
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