Der Bundesgeschäftsführer des Mittelstandsverbands BVMW, Christoph Ahlhaus, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu aufgerufen, in der Koalition stärker durchzugreifen und dafür auch seine Richtlinienkompetenz aktiv zu nutzen. „Durch das Zerreden wichtiger Reformen – sei es bei der Rente mit 63 oder im Gesundheitssektor – wird das Vertrauen der Bürger und der Wirtschaft restlos zerstört“, sagte Ahlhaus der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wenn der Kanzler mit dem Ende der Sommerpause nicht sehr schnell zu einer maßgeblichen, klaren Führung zurückfindet, droht die Koalition mittelfristig auf die ein oder andere Weise auseinanderzufallen.“
Ahlhaus attestierte, dass es „dem Bundeskanzler an Führungsprofil fehlt“. Gleichzeitig habe die schwarz-rote Bundesregierung auch ein schlechtes Kommunikationsmanagement. „Es werden ständig Vorschläge in die Öffentlichkeit geblasen, über die nicht einmal innerhalb der Beteiligten Einigkeit herrscht“, kritisierte er mit Blick auf den Umgang mit der geplanten Rentenreform. „Das ist noch schlimmer, als gar keine Ideen zu haben, weil es den Menschen die Planlosigkeit offen präsentiert.“ Er rief Merz zudem dazu auf, die Debatte um eine höhere Mehrwertsteuer zu „unterbinden“.
Der BVMW wendete sich in einem Brandbrief auch an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Darin hat der Verband die Bundesregierung vor der am Dienstag beginnenden Kabinettsklausur dazu aufgerufen, den Antragsstopp bei der Förderung von Forschung und Entwicklung aufzuheben.
Das sogenannte Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) werde „in einer Phase ausgebremst, in der Deutschland mehr Investitionen, mehr Forschung und mehr Wachstum dringend benötigt“, zitiert die „Neue Osnabrücker Zeitung“ aus dem Schreiben.
Das Programm sei „eines der erfolgreichsten Instrumente zur Förderung mittelständischer Innovationen“, heißt es. Laut BVMW trifft der seit Anfang Juli geltende Antragsstopp bei dem Förderprogramm Firmen hart. „Unternehmen, die kurz vor der Antragstellung standen, müssen Projekte nun verschieben oder ganz aufgeben“, kritisierte der Verband laut dem Bericht. „Damit werden Investitionen verhindert, die Deutschland eigentlich dringend mobilisieren müsste“, heißt es in dem Brief, der laut „NOZ“ auch an die Fraktionschefs von Union und SPD im Bundestag ging.
Verband erwartet „klares Signal“ von Kabinettsklausur
Mit Blick auf das Kabinettstreffen in Brandenburg heißt es: „Wir erwarten, dass von Neuhardenberg ein klares Signal ausgeht: für die schnellstmögliche Wiederöffnung des ZIM und für eine Finanzierung im Bundeshaushalt 2027, die erneute Förderunterbrechungen verhindert.“ Nach der Sommerpause stehen im Bundestag die Haushaltsberatungen an.
Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand ist nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ein bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm. Seit dem 7. Juli können laut dem Ministerium vorübergehend keine Anträge für Zuschüsse im Rahmen des Programms angenommen werden.
Die Kabinettsklausur in brandenburgischen Neuhardenberg findet am Dienstag und Mittwoch statt. Bei dem Treffen soll es unter anderem um die Sicherung von industrieller Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplätzen gehen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke