Die Nachwuchs-Grünenpolitikerin Jette Nietzard hat im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ über ihre einjährige Amtszeit als Bundessprecherin der Grünen Jugend reflektiert – sowie über die von ihr regelmäßig ausgelöste öffentliche Empörung.
Nietzard, bis Oktober 2025 Chefin der Grünen-Nachwuchsorganisation, sorgte in dieser Zeit immer wieder für Diskussionen – etwa mit einer Aussage im Januar 2025 über Böllerunfälle („Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen“). Später zog sie ihren Post zurück.
Im „Spiegel“ erklärt Nietzard nun, die Grenzen des Sagbaren nie überschritten zu haben – „auch wenn Menschen versucht haben, mir das damals weiszumachen.“
„Habe mich sehr allein gefühlt“
Heute würden vor allem das Internet und „in gewisser Weise“ auch die Medien, darüber entscheiden, was sagbar sei, so Nietzard. „Klar“ habe sie manchmal das Gefühl gehabt, zu weit gegangen zu sein. „Aber das war eben ein Gefühl im Angesicht des Shitstorms. Obwohl ich vergleichsweise viel Unterstützung hatte, habe ich mich sehr allein gefühlt – als wäre die ganze Welt gegen mich, nicht nur Boomer im Internet.“
Privat sei sie aber nie für ihre Aussagen verurteilt worden. „Selbst Freunde, die anderer Meinung sind als ich oder bei staatlichen Stellen arbeiten, wissen, warum ich Dinge im Internet zuspitze.“ Ohne Zuspitzung dringe man mit seiner Meinung auch nicht durch, so Nietzard.
„Mein Ziel ist es nie, dass ich alle Menschen glücklich mache. Es ist sogar gut, wenn Leute sich an meinen Aussagen aufreiben – dann gibt es mehr Aufmerksamkeit für Themen.“ Daher könne sie persönlich auch nichts mit dem Narrativ „Man darf ja gar nichts mehr sagen“ anfangen.
Die 27-Jährige gibt sich im „Spiegel“ entschlossen: Sie werde sich vom Hass im Internet nicht einschränken lassen und weiterhin ihre Meinung äußern. „Und ja, ich will auch weiterhin die Grenze der öffentlichen Meinung ausreizen.“ Um Stammtischparolen im Internet entgegenzutreten, fordert Nietzard eine Plattformregulierung. Denn es werde vieles als Meinung verkauft, „was keine Meinung ist, sondern Menschenfeindlichkeit“.
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