Die bei dem mutmaßlichen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Drohne ist einem Medienbericht zufolge gezielt gegen ein ukrainisches Frachtflugzeug geflogen und auf dessen Tragfläche eingeschlagen. Der mit dem Sprengstoff Semtex bestückte Flugkörper sei aber nicht explodiert, sondern abgeprallt und zu Boden gefallen, berichtete die Wochenzeitung „Zeit“ unter Berufung auf Aufnahmen von Überwachungskameras.
Spuren an einem Flügel der Antonow-Maschine bestätigten den Ablauf. Warum der Sprengsatz nicht gezündet habe, sei unklar. Der Sprengstoff sei nicht an der Drohne selbst vorgefunden worden, sondern in einiger Entfernung. Dieser habe sich möglicherweise beim Aufprall abgelöst.
Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. „Die Ermittlungen dauern an“, sagte eine Sprecherin. Die oberste Anklagebehörde hatte die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte von einem „hybriden Anschlagsszenario“ gesprochen und „fremde Mächte“ als Urheber nicht ausgeschlossen.
Drohne soll erst Stunden später entdeckt worden sein
Dem „Zeit“-Bericht zufolge ereignete sich der Vorfall am Dienstagabend voriger Woche gegen 19.30 Uhr. Die Drohne sei erst rund vier Stunden später entdeckt worden.
Wie die Videoaufnahmen dem Bericht zufolge nun zeigen, lag sie bereits auf dem Boden, als ein Busfahrer darauf aufmerksam wurde, seinen Fuß darauf stellte und das Sicherheitspersonal verständigte.
Eine ukrainische Frachtmaschine vom Typ Antonow AN-124 am Flughafen Leipzig/HalleDamit würden bisherige Darstellungen korrigiert, wonach der Busfahrer das über dem Boden schwebende Fluggerät mit einem Fußtritt aus der Luft geholt habe. Diese Version hatte unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif nach einer Unterrichtung von Innenpolitikern durch die Bundesregierung wiedergegeben.
Günther fordert Einsatz der Bundeswehr
Der Vorfall in Leipzig hat eine Debatte über die Drohnenabwehr an kritischer Infrastruktur ausgelöst. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) spricht sich bei der Drohnenabwehr an Flughäfen auch für einen Einsatz der Bundeswehr aus. „Ich glaube, dass in diesen Zeiten diese strikte Trennung beim Thema äußere und innere Sicherheit zwischen Bund und Ländern nicht mehr zeitgemäß ist“, sagte Günther am Montag im Deutschlandfunk. Er halte es „für unproblematisch, dass auch die Bundeswehr bei der Bekämpfung im Inneren eingesetzt wird“.
Für die Drohnenabwehr an Flughäfen ist in Deutschland derzeit grundsätzlich die Bundespolizei zuständig. Günther verwies darauf, dass für einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren eine Änderung des Grundgesetzes nötig sei. Darüber müsse nun gesprochen werden. Denn Deutschland müsse bei der Drohnenabwehr „bestmöglich aufgestellt sein“, sagte der CDU-Regierungschef. Dabei gehe es um „Fangtechniken“ für die Flugobjekte, aber auch um die Störung der Sender der Drohnen. Dies gehe „nur im Schulterschluss zwischen Bund und Ländern“.
Günther verwies darauf, dass die Bundeswehr bisher dafür zuständig sei, ihre eigenen Liegenschaften vor Drohnen zu schützen. Bewege sich die Drohne davon weg, falle dies aber in andere Kompetenzbereiche. „Deswegen glaube ich, vereinfacht es eher, wenn die Bundeswehr stärkere Zuständigkeiten bekommt.“
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