Ein vom Kreml veröffentlichtes Telefonat von Wladimir Putin mit einem russischen Divisionskommandeur wirft Fragen auf. Der Gesprächspartner in dem Transkript stellt sich als Oberst Abdulasis Schichabidow, Kommandeur der 76. Garde-Luftlandedivision, vor. Mehreren russischen Medien zufolge soll Schichabidow jedoch bereits im Mai 2025 gestorben sein, wie das amerikanische Institute for the Study of War (ISW) berichtet.

Als derzeitiger Kommandeur der Division gilt nach russischen Angaben Denis Schischow. Putin selbst nennt seinen Gesprächspartner während des Telefonats nicht beim Namen. Die offenbar falsche Identifizierung stelle die Echtheit des Austauschs infrage, urteilt das ISW. Offiziell bestätigt ist der Tod Schichabidows nicht.

In dem Gespräch berichtete der vermeintliche Kommandeur über die Lage im Raum Dobropillja und Pokrowsk im Osten der Ukraine. Er behauptete, Einheiten der Division seien an der Einnahme mehrerer Orte beteiligt gewesen und führten weitere Kampfaufträge aus. Putin fragte, ob die vorgegebenen Ziele fristgerecht erreicht werden könnten. Der Gesprächspartner bezeichnete den Zeitplan als realistisch.

Nach Einschätzung des ISW deutet das Telefonat darauf hin, dass Russland seine Angriffe bei Pokrowsk und Dobropillja verstärken will. Ziel sei wahrscheinlich, den ukrainischen Festungsgürtel im Gebiet Donezk von Südwesten zu umfassen. Putin hatte die Division am 6. August ausgezeichnet und ihre angeblich schnelleren Vorstöße im Vergleich zu anderen russischen Einheiten hervorgehoben.

Die von russischer Seite genannten Zeitpläne hält das Institut allerdings für „äußerst unrealistisch“. Zwar hätten russische Truppen im Juli in den betroffenen Frontabschnitten wieder Gelände gewonnen. Das Tempo reiche jedoch nicht aus, um den verbleibenden Teil des Gebiets Donezk bis zu der von Putin gesetzten Frist am 31. Dezember 2026 einzunehmen. Eine baldige Eroberung des ukrainischen Festungsgürtels oder des gesamten Donbass sei weiterhin höchst unwahrscheinlich.

Das ISW vermutet zudem, dass der Kreml mit der Veröffentlichung des Anrufs auf Vorwürfe reagieren wollte, Putin habe den Bezug zur tatsächlichen Lage an der Front verloren. Der Präsident spreche nur selten direkt mit Kommandeuren auf taktischer Ebene. Russische Einheiten könnten der militärischen Führung ein geschöntes Bild der eigenen Erfolge vermitteln. Die Verwechslung um den angeblichen Divisionskommandeur werfe deshalb auch Fragen zur Verlässlichkeit der internen russischen Lageberichte auf.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke