Israel wird sich nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht aus dem Gaza-Streifen zurückziehen, bis die Hamas vollständig entwaffnet ist. Das erklärte Netanjahu am Dienstag. In Äußerungen in den sozialen Medien deutete er an, dass es zwischen Israel und der Trump-Regierung Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich einer kürzlich angekündigten Vereinbarung zur Entwaffnung der Islamisten gebe.
Diese sieht vor, dass die Hamas mit der Entwaffnung beginnt und Israel seine Angriffe einstellt und mit dem Rückzug aus dem Gaza-Streifen beginnt. Netanjahu erklärte hingegen, die Entwaffnung müsse an erster Stelle stehen, und die israelischen Streitkräfte würden weiterhin „alles Notwendige tun, um sich selbst, unser Territorium und unsere Bürger zu schützen“.
Die Trump-Regierung „hat uns einen Entwurf geschickt. Wir waren damit nicht einverstanden. Es ist nicht unser Entwurf. Wir haben unsere Anmerkungen übermittelt“, sagte Netanjahu. „Das ist unser Standpunkt. Wir vertreten unsere Interessen entschlossen – meiner Meinung nach sowohl klug als auch entschlossen.“ Israelische Regierungsvertreter hatten sich zuvor bereits ähnlich geäußert.
Allerdings gelten israelischen Medien zufolge für Angriffe auf Mitglieder der Hamas künftig strengere Richtlinien. So muss der Generalstabschef Eyal Zamir vorab zustimmen, außer es gebe eine unmittelbare Gefahr für die Soldaten, meldete unter anderem die Zeitung „Haaretz“. Die politische Führung Israels habe die Vorgaben entsprechend geändert.
Zuvor brauchte es demnach nur die Zustimmung bestimmter Kommandeure. Die „Times of Israel“ berichtete, die Zahl der Angriffe im Gaza-Streifen sei in den vergangenen Tagen aufgrund der neuen Auflage bereits zurückgegangen. Israels Armee verwies auf Anfrage an die politische Führung, die sich bisher nicht zu den Berichten äußerte.
Dass Israel Angriffe auf Ziele im Gaza-Streifen einstellt, ist Teil eines Fahrplans des Gaza-Friedensrats, der auch eine Übergabe der Waffen durch die islamistische Terrororganisation Hamas und andere bewaffnete Gruppierungen vorsieht. Der Friedensrat wurde von US-Präsident Donald Trump gegründet und soll den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Nachkriegsordnung in dem palästinensischen Küstengebiet überwachen.
Der Hohe Vertreter des Friedensrats, Nickolay Mladenov, hatte am Montag Israels Angriffe im Gaza-Streifen kritisiert. „Zwei Tage Angriffe im gesamten Gaza-Streifen haben Zivilisten getötet und medizinische Hilfsgüter zerstört, auf die die Menschen angewiesen sind“, schrieb er in einer Stellungnahme. Dabei unternähmen die Vermittler derzeit „intensive Bemühungen“ um eine Vereinbarung zu erreichen, die die Übergabe der zivilen Verwaltung sowie die Entwaffnung der Hamas und verbündeter Gruppen vorsehe.
Zuletzt hatten auch Ägypten, Katar und die Türkei, die in dem Konflikt vermitteln, israelische Angriffe in dem Gebiet scharf verurteilt. In einer in der Nacht veröffentlichten gemeinsamen Erklärung hieß es, „diese Verstöße“ gefährdeten den Weg zur Deeskalation und verschärften das Leid der Zivilbevölkerung. Israel müsse seinen Verpflichtungen aus dem Völkerrecht nachkommen und die Bedingungen des Waffenruheabkommens einhalten, um dessen Umsetzung nicht zu untergraben.
Obwohl seit Oktober 2025 formell eine Waffenruhe im Gaza-Krieg herrscht, kommt es immer wieder zu tödlichen Konfrontationen und Angriffen. Israels Armee hat zuletzt immer wieder mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Dschihad getötet.
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